Friesoythe /Nordhorn /Berlin „Ich bitte dich, zeichne einen Leuchtturm an die Wand deines Hauses.“ Dieses Zitat des Lyrikers H.C. Artmann war für Künstlerin Julia Siegmund ein Quell der Inspiration. 24 Bilder hat die gebürtige Friesoytherin, die heute in Nordhorn lebt, zu diesem einen Satz gefertigt – in Mischtechnik auf Holz. Jedes Bild ist 30 mal 30 Zentimeter groß. Und genau genommen sind es vier Sechsergruppen, die für sich stehen oder eine große Einheit bilden können. Das Kunstwerk beschreibe nach Aussage von Julia Siegmund, geb. Koziolek, die „poetische Sehnsucht nach Raum, Stille und Zielen in einer zerstückelten Welt“.

Von diesem künstlerischen Ansatz der 42-Jährigen war der Kunstbeirat des Deutschen Bundestages in Berlin so begeistert, dass sich das Gremium für den Kauf der Bildergruppe entschied. Das Werk der Künstlerin, die 1993 ihr Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe machte, gehört somit fortan zur bundestagseigenen Kunstsammlung. Die Artothek umfasst bislang rund 4000 Exponate. Eine neunköpfige Gruppe unter Vorsitz von Bundestagspräsident Norbert Lammert entscheidet dabei über die Ankäufe.

Kurz-Vita

Die Künstlerin Julia Siegmund, geb. Koziolek, wurde 1974 in Friesoythe geboren. 1993 machte sie ihr Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium. Danach studierte sie Germanistik und Kunst in Osnabrück und Wien und lebte dann zehn Jahre in Münster. 2010 ist sie mit ihrer Familie nach Nordhorn gezogen. Sie ist mehrfach ausgezeichnet, erhielt unter anderem jeweils zweimal den Förderpreis der Kulturstiftung Hartwig Piepenbrock und den Preis „Kultur prägt!“ des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Das ist einfach unglaublich und wunderbar“, sagte Julia Siegmund, die als selbstständige Künstlerin in ihrem Atelier in Nordhorn arbeitet, im NWZ -Gespräch. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Daniela De Ridder aus Nordhorn hatte gemeinsam mit Kunstkennern aus der Region dem Kuratorium in Berlin das Werk von Siegmund vorgeschlagen. „Ende Oktober erhielt ich die Aufforderung, die Bilder nach Berlin zu schicken, damit der Kunstbeirat sie im Original begutachten konnte“, erzählte die ehemalige Friesoytherin. Zusammen mit vorgeschlagenen Künstlern aus ganz Deutschland seien die Werke Mitte November der Jury präsentiert worden.

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„Als ich dann kürzlich Post aus Berlin bekam, dachte ich zunächst an eine freundlich formulierte Absage. Aber da hatte ich mich zum Glück getäuscht.“ Sie freue sich besonders darüber, dass sich der Kunstbeirat nicht nur für eine einzelne Sechsergruppe entschieden habe, „sondern alle vier Sechsergruppen und damit 24 Bilder von mir ausgewählt hat“.

Wo die Bilder künftig hängen werden, könne sie nicht sagen. Zugriff auf die Kunstsammlung haben vor allem die Bundestagsabgeordneten, die für ihre Büros und die ihrer Mitarbeiter Bilder ausleihen können. Für die Künstlerin selbst reiche schon allein der Gedanke, dass ihre Bilder jetzt Teil dieser exklusiven Sammlung seien. „Ein tolles Gefühl“, so Siegmund.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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