Markhausen „Im Größenverhältnis ist das Spielzeug“, sagt Ludger Meyer, wenn man ihn nach seiner Meinung zu handelsüblichen Böllern fragt, die jedes Jahr vor Silvester verkauft werden. Er ist Mitglied und Schriftführer des Kanonen- und Böllervereins Markhausen und zu Silvester an etwas mehr „Bumms“ gewöhnt.

Sein Verein schießt zu besonderen Anlässen mit Musketen (Handböllern), dicken, aber gerade noch tragbaren Kanonen (Schaftböller), und eben auch richtigen Kanonen der Artillerie früherer Zeiten. Neun Waffen, unter anderem drei Kanonen mit bis zu 80 Millimetern Laufdurchmesser nennen die Vereinsmitglieder ihr Eigen. Untergebracht ist die historische Artillerie in einer eigens eingerichteten Unterstellhalle. Der große Pulvervorrat wird zentral gelagert, nur kleine Vorräte haben die dazu berechtigten Mitglieder im eigenen Heim.

Kleiner Junge freut sich

„Die Kanone haben wir bei einem Wettbewerb mal mit 140 bis 150 Dezibel gemessen – das war der zweite Platz“, sagt Meyer. Damit böllern die Markhauser lauter als ein vorbeizischender Düsenjäger oder Rennwagen. Das freue den kleinen Jungen im Mann.

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Auf Ziele schießt der Verein übrigens nicht – beim Böllern gibt es keine Projektile. „Uns geht es um den Knall“, sagt der 56-Jährige. Zwar könnten auch theoretisch Kugeln in die Läufe gestopft werden, aber erlaubt sei das nicht. „Wichtig ist, dass es sich beim Schuss auflöst, denn wir wollen es nicht wieder aufsammeln müssen.“ Das hänge damit zusammen, dass auch auf Golf- und Sportplätzen hin und wieder geböllert werde. „Da haben wir gut Krach gemacht“, erinnert sich Meyer an einen Wettbewerb in einem Golfresort.

Die Gewehre und Kanonen der Markhauser funktionieren so: In den Lauf der Waffe wird unter Einsatz eines Hammers Schwarzpulver gestopft, eine Muskete fasst etwa acht Gramm. Dann wird der Lauf dicht gemacht. Meyer benutzt dazu gerne feuchte Tampons, da sie den Lauf „richtig dicht machen“, andere nehmen Korken, Papier oder Futtermittel. Ein dünnes Röhrchen führt vom Lauf nach außen. Über ihn wird ein Zündhütchen gestülpt. Auf dieses schlägt, sobald der Abzug gedrückt wird, ein „Hammer“. „Dann schlägt ein Funken durch das Röhrchen und entzündet das Schwarzpulver“, erklärt Meyer.

Die Explosion des Schwarzpulvers erzeugt dann einen gewaltigen Rückstoß und durch die Verdämmung einen lauten Knall. „Beim Beschussamt, das die Böller testet, wurde mal ein Böller auf ein Kiesbett gelegt und dann gezündet. Der ist fünf Meter weg geflogen.“ Tiefe Metallkratzer auf der Waffe zeugen bis heute von diesem Test – normalerweise werden die Waffen befestigt. „800 Bar Druck erzeugt die Explosion. Nitroglycerin erzeugt 3000“, vergleicht der Schwarzpulver-Fachmann die Kräfte. Um eine solche Wucht aushalten zu können, müssten die Waffen auch schwer sein. Ein Schaftböller wiegt um die 14 Kilogramm – nur mit Mühe kann Meyer die massive Waffe für längere Zeit für das Foto geradeaus halten. Mit einer Hand ein unmögliches Unterfangen. Auch die Handböller werden stets mit zwei Händen und über den Kopf gen Himmel gestreckt abgefeuert. „So ist es am sichersten“, weiß Ludger Meyer.

Während normale Böller zu Silvester auch gern stark angeheitert gezündet werden, geht beim Kanonen- und Böllerverein Sicherheit vor. „Bei uns gilt striktes Alkoholverbot“, betont der Schriftführer. Damit im großen Stil geböllert werden kann, muss eine Prüfung nach dem Sprengstoffgesetz gemacht werden.

Bleibender Eindruck

Seit 16 Jahren sind die Markhauser schon professionell am Böllern. Beim Besuch eines Schützentreffens der St.-Johannes-Schützenbruderschaft in Polen wurden damals Salutschüsse aus einer Kanone abgegeben. Bei einigen hinterließ das einen bleibenden Eindruck: Noch während der Rückfahrt gingen in den Bussen Umfragebögen rum – soll eine Kanone angeschafft werden? Im Jahr 2000 war die in Polen bestellte Kanone fertig und wurde mit „leichten Grenzschwierigkeiten“ nach Markhausen gebracht.

Auch an Silvester wird geböllert: „Wir geben den Startschuss für den Silvesterlauf an der Thülsfelder Talsperre.“ Von 9.30 bis 10.25 Uhr starten die Teilnehmer beim Hofcafé Debbeler in Dwergte.

Sascha Sebastian Rühl Volontär, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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