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CLOPPENBURG In einem Brief an Oldenburgs Oberbürgermeister Dr. Gerd Schwandner hat am Donnerstag der Geschäftsführer des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland, Heinrich Havermann, seiner massiven Verärgerung über das Merian-Heft „Oldenburg“ Luft gemacht.

In der 136 Seiten starken Publikation, die am 29. November in einer Auflage von 100 000 Exemplaren erschien, ist auch ein Artikel über das Oldenburger Münsterland enthalten. „,Morgens bescheißen, abends bescheißen und mittags in die Kirche gehn’, charakterisiert der Volksmund den hiesigen Bauernstand“ – mit dieser Aussage hat sich die Autorin Charlotte von Saurma den Zorn Havermanns zugezogen.

Wütend ist der Heimatbund-Geschäftsführer aber auch auf die Stadt Oldenburg, die die Produktionskosten des 400 000 Euro teuren Merian-Heftes mit 50 000 Euro bezuschusst hat. 30 000 Euro steuerte im Übrigen das Stadtmarketing bei. Diejenigen Kreise aus dem Umkreis Oldenburgs, die ebenfalls portraitiert worden sind, haben sich finanziell nicht beteiligt.

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„Sollte man in der Stadt Oldenburg das von den Südoldenburger Bauern denken, was das Merian-Heft als Volksmund ausgibt, kann ich mir das gut vorstellen. Doch müssen sich die Verantwortlichen im Bereich der Stadtverwaltung, die mit den Herausgebern des Merian-Heftes zusammengearbeitet haben, fragen, ob es dem Zusammenleben von Menschen in einer Region förderlich ist, wenn Meinungen über Landsleute in so beleidigender Weise veröffentlicht werden“, schreibt Havermann wörtlich.

Im weiteren Verlauf des Briefes fährt er schwere Geschütze auf. Der „braune Ungeist“, den man der Merian-Redakteurin als Aussage des Volksmundes verkauft habe, so der Heimatbund-Geschäftsführer – sei nichts anderes als „die Abwandlung eines inhaltsgleichen Zitats“, mit dem der Präsident der Oldenburgischen Handwerkskammer zurzeit des Dritten Reiches die südoldenburgischen Katholiken abzuqualifizieren versucht habe. „Gegen die Äußerung des Präsidenten der Handwerkskammer, die Katholiken aus dem schwarzen Süden leisteten morgens einen Meineid, gingen abends zur Beichte und sähen damit den Fall für sich als erledigt an, leitete der Kreishandwerksmeister Rüwe aus Emstek – ein überzeugter Katholik – ein Gerichtsverfahren ein, das zu seiner Abberufung durch die Nazis führte“, so Havermann.

Oberbürgermeister Dr. Schwandner lehnte am Donnerstag eine Stellungnahme ab. „Verantwortlich für den Inhalt ist allein der Verlag. Es hat keine Freigabe seitens der Stadt gegeben“, erklärte Pressesprecherin Christiane Maaß auf Anfrage der NWZ. Dies bestätigt im Übrigen auch die Geschäftsführerin der Oldenburger Tourismus und Marketing (OMT) GmbH, Silke Fennemann. Diese hat den Deal mit dem Merian-Verlag federführend abgewickelt.

„Oldenburg hatte keinen Einfluss auf das Heft. Wir haben mit der Stadt nicht redaktionell zusammengearbeitet, erklärte der verantwortliche Merian-Redakteur für das Oldenburg-Heft“, Roland Benn.

Das monierte Zitat sei in seiner „antibäuerlichen und antikatholischen“ Art so oder so ähnlich in ganz Deutschland zu finden. „Das gibt es beispielsweise auch in bayrischen Schwänken des 19. Jahrhunderts“, so Benn. Nichtsdestotrotz will er in einem Brief auf die Havermannschen Vorwürfe reagieren.

Auch OM-Verbund-Geschäftsführer sauer auf Verlag

Der Geschäftsführer des Verbundes Oldenburger Münsterland, Stefan Ortmann, hat sich unmittelbar nach der Veröffentlichung des Heftes bei der Verlagsleitung beschwert. Ortmann reibt sich vor allem an den Worten, mit denen die Meinung von Deutschlands bekanntem Pferdeauktionator, Uwe Heckmann (Vechta), über den hiesigen Bauernstand zitiert wird: „Flexibel, katholisch und kreativ bis an die Grenze des Illegalen“, heißt es da auf Seite 93. Zurückbekommen habe er – so Ortmann weiter – nur „eine pampige Antwort“. Rechtlich sei gegen die Passagen nur schwer etwas zu machen. „Der Verbund hat sich darüber aufgeregt, dass er von uns vorher nicht konsultiert worden ist“, erklärt Merian-Redakteur Benn. Der Verlag würde aber seine redaktionelle Unabhängigkeit verlieren, wenn er Politiker seitenweise über deren eigene Region zitieren würde.cam

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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