Cloppenburg Eine große Leistung haben am Sonntag der Cloppenburger Projektchor, ein Orchester aus Lehrern der Kreismusikschule unter der Leitung von Kreiskantor Jürgen Löbbecke sowie die Solisten Beate Stanko (Sopran), Nina Böhlke (Mezzosopran bzw. Alt), Benjamin Kirchner (Tenor) und Lothar Littmann (Bass) in der St.-Augustinus-Kirche erbracht. Nach der Aufführung der „Hohen“ Messe h-Moll BWV 232 von Johann Sebastian Bach brachte das Publikum mit stehenden Ovationen seine Begeisterung zum Ausdruck, auch wenn der Einsatz oder die Intonation nicht immer perfekt waren.

Bachs Messe h-Moll zählt zu den bedeutendsten Vertonungen der lateinischen Messe in der Musikgeschichte. Schon beim Erklingen der ersten Takte des Kyrie eleison zog der ausdrucksvolle Vortrag des Chores die Zuhörer in seinen Bann, wozu das Orchester einfühlsam korrespondierte. Im Christe eleison als Kammerbesetzung für zwei Soprane und Streicherbegleitung fanden Stanko und Böhlke zu einem freudig-zuversichtlichen Zwiegespräch. Beim abermaligen Kyrie eleison wurde die strenge Polyphonie zum Motor einer entschiedenen Deklamatorik des Chores.

Fünfstimmigkeit

Feurig und zugleich gravitätisch schloss sich das Gloria an, was die Fünfstimmigkeit zu Beginn und am Schluss unterstrich. Dennoch wohnte der Darbietung ein überaus lebendiger Geist inne, was nicht zuletzt auf der Spritzigkeit der drei Klarin-Trompeten beruhte. In Manier des Concert grosso wechseln sich Tutti- und Solopartien ab. Letztere in unterschiedlichen Besetzungen auf der Grundlage der Trio- bzw. Kirchen- oder Kammersonate waren vom ausdrucksstarken Gestaltungswillen der Solisten geprägt. In diesem Kontext ist ebenso die jeweils zweite, instrumentale Stimme, Violine, Traversflöte, Oboe und Waldhorn hervorzuheben. Im Qui tollis peccata mundi traf der Projektchor geradezu ergreifend den Affekt.

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Wie das Gloria ist auch das Credo, Nizänisches Glaubensbekenntnis, als textreicher Abschnitt des Ordinariums in Tutti- und Solopartien gegliedert. Plastisch wie transparent setzten Chor und Orchester die polyphone Fünfstimmigkeit zu Beginn um und arbeiteten ein beeindruckendes Maestoso bei den Worten „Patrem omnipotentem . . .“ heraus.

Gemütslage

Im vierstimmigen Abschnitten „Et in carnatus est“ gelangte der Projektchor abermals zu einer den Affekt genau erfassenden Ausdruckstiefe, wie sie nicht hätte besser sein können. Im anschließenden „Crucifixus etiam pro nobis“ wurde das noch durch die absteigende Chromatik betont. Darauf folgt unmittelbar der Jubel als Sieg über den Tod bei den Worten „Et resurrexit . . .“ in großangelegter Fünfstimmigkeit. In den beiden einzigen Solopartien fanden Stanko und Böhlke sowie Bassist Littmann zur einer überzeugenden Interpretation.

Solisten, Chor und Orchester steigerten sich nochmals im Sanctus. Dazu gibt es einen guten Grund: Bach erhöht zur Sechsstimmigkeit. Im „Osanna in excelsis“ wechselt er schließlich zur vierstimmigen Doppelchörigkeit. Wieder bestimmen Gravität und ein würdevoller Gestus das musikalische Geschehen, was die Ausführenden mit Bravour meisterten. Im Tenorsolo des Benedictus wäre mehr Innigkeit in Analogie zum Altsolo des Agnus Dei wünschenswert gewesen. Das „Dona nobis pacem“ am Schluss wurde zum bezwingend musikantischen Bekenntnis.

Anspruchsvoll

Bisher hatte der Projektchor, den es seit 15 Jahren gibt, kein Werk mit einem vergleichbaren Schwierigkeitsgrad einstudiert. Vor allem die sehr anspruchsvolle Polyphonie waren für den Projektchor eine Herausforderung während seiner halbjährigen Probenarbeit.

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