Garrel Eigentlich wollte er jetzt mit 44 Pilgern in Israel sein. Hubert Looschen (70) hatte die Fahrt genau vorbereitet, selbst ein Pilgerbuch mit Gebeten und Liedern hat er erstellt. Doch der Einreisestopp der israelischen Regierung aufgrund des Coronavirus erzwang eine Stornierung. Looschen ist eine Institution in Garrel. Als Lehrer, davon die letzten 20 Jahre als Rektor der Haupt- und Realschule, hat er das halbe Dorf benotet. 1985 wurde er zum Ständigen Diakon mit Zivilberuf geweiht. Seitdem taucht er noch intensiver in das Leben der Garreler ein.

Das Amt des Seelsorgers liegt ihm in der DNA. Sechs Jahre hatte er das Internat der Herz-Jesu-Priester im emsländischen Handrup besucht, seine Mutter hätte ihn gerne als Priester gesehen. Ihr Sohn entschied sich zwar anders, wurde Lehrer, heiratete, bekam vier Kinder und bis heute vier Enkelkinder. Doch irgendwann fragte ihn der damalige Pfarrer Alfons Diekmann. „Diakon, wäre das nicht was für Dich?“ Die vierjährige Ausbildung absolvierte Looschen mit acht anderen Kandidaten. Ausgebildet wurden sie in der damaligen Heimvolkshochschule Stapelfeld von Pfarrer Wilfried Hagemann. „Ich konnte viel theologisches Vorwissen einbringen“, sagt er.

Das Amt erfordere einen hohen Einsatz, räumt er ein. So habe er dem Bischof bei der Weihe versprochen, zehn Wochenstunden zu investieren. „Das ist mir immer gelungen.“ Doch der Aufwand war es wert. „Es ist toll, wenn man bei der Trauung der eigenen Kinder assistieren oder die eigenen Enkelkinder taufen kann.“ Das gleiche bei Trauungen ehemaliger Schülern oder Taufen ihrer Kinder. Seine Frau hat ihm immer den Rücken freigehalten. Die Ausbildung mitzumachen, wie es heute bei verheirateten Diakonen gerngesehen werde, ist aber nicht ihre Sache gewesen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Seit er in Ruhestand ist, hat er alle Freiheiten. Er schreibt gern und ist unter anderem als freier Mitarbeiter der Nordwest-Zeitung aktiv. Er hat ein Gebetbuch herausgegeben und einen Kirchenführer. Seit 1999 gehört er zum plattdeutschen Autorenteam der NDR-Reihe „Dat kannst mi glöven“, seit zwölf Jahren macht er Krisenintervention, er spendet die Krankenkommunion und führt Trauergespräche. „Es gibt immer wieder Menschen, die lieber den Diakon wollen als den Pastor.“ Spaß machen ihm auch die Taufgespräche.

Den Mitgliederschwund der Kirche nimmt er auch in Garrel wahr. „Doch ich glaube, der Rückgang der Kirche ist nicht so dramatisch, wie er sich an den Zahlen zeigt.“ Er nennt Anlässe, wo Gläubige auf Eigeninitiative zum Gebet einladen oder mitmachen: Die Lichterandacht, Kreuzweg, lebendiger Adventskalender, 20 Maiandachten oder das 24-Stunden Gebet. Die Menschen wollen sich zu Gott bekennen, aber nicht unbedingt in der vorgegebenen rituellen Form.

„Wenn es noch eine heile Welt in der Kirche gibt, dann hier in Garrel“, sagt er und lacht. „Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Berufung wahrgenommen habe. Das hat mein Leben bereichert.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.