Friesoythe Ein interessanter Buchtitel, die tolle Atmosphäre in der Alten Wassermühle und die Gelegenheit, Leute zu treffen – das hat wohl viele Besucher am Mittwochabend zur Lesung von Sebastian Lehmann ins Friesoyther Kulturzentrum Alte Wassermühle gelockt. Hier trat er mit seinem Programm „Elternzeit“ auf, mit dem er durch ganz Deutschland tourt. Mit 80 Gästen mussten die Veranstalter sogar noch Stühle hinzustellen. Die Erwartungen eines netten Abends wurden übertroffen durch ein knapp zwei Stunden langes abwechslungsreiches und witziges Programm des Poetry-Slammers aus Berlin.

Viel brauchte er dafür nicht. Sein Buch, ein Glas Wasser, eine Leselampe. Was er nicht gebrauchen konnte? Seine Eltern. Denn in seinem Buch „Mit deinem Bruder hatten wir ja Glück“ geht es um Telefonate mit ihnen – und die trägt er lieber vor, „wenn sie nicht dabei sind“, landet der Künstler schon vor Beginn seines eigentlichen Programmes einen Lacher im Publikum.

Weil er eigentlich aus Freiburg kommt, jetzt aber in Berlin lebt, telefoniert Sebastian Lehmann oft mit seinen Eltern. Dabei geht es um Ernährung, krank sein oder um vermeintlich alte Handys – im Wesentlichen um das Verhältnis von Eltern zu Kindern.

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„Meine Mutter ruft aus meiner Heimatstadt Freiburg an“, beginnt er seine Texte meistens. Die lange Studienzeit des Sohnemanns ist Thema. „Ich habe eben ausführlich studiert“, rechtfertigt sich dieser. Später kündigen die Eltern einen Besuch in Berlin an und versichern ihm: „Wir fühlen uns in deiner Wohnung wohl, auch wenn es nicht immer so ordentlich ist.“ Der beschwert sich sogleich: „Ey, ich putze immer, wenn ihr kommt.“ Schlagfertig gibt ihm seine Mutter zurück: „Na, wenn du mal so ausführlich putzen würdest, wie du studiert hast...“

Seine Geschichten enthalten Wahrheiten, die Lehmann auf witzige Weise zum Ausdruck bringt. Das macht er in einer zurückhaltenden Art, was unerwartet witzige Pointen hervorbringt oder einfach nur komisch ist beim Zuhören. Dabei nimmt sich der 36-Jährige in seiner Rolle als kinderloser Kleinkünstler nicht selten selbst auf die Schippe.

Außerdem macht er einen Abstecher in sein Buch „Ich war jung und hatte das Geld“, in denen von seinen Jugendkulturen in den 90ern erzählt. Was besonders bei den jungen Zuhörern gut ankam: Gedichte. Aber nicht selbstverfasst. Lehmann hat Lieder wie „Mr. Bombastic“ durch den Google-Übersetzer gejagt und vorgetragen, was urkomische Verse hervorbrachte.

Nicht bei jedem Gag ist das Publikum prustend vom Stuhl gefallen. Vielleicht lag es daran, dass man bei anderen Passagen aus dem Lachen gar nicht mehr herauskam. Zumindest war immer breites Grinsen in die Gesichter geschrieben, manchmal wurden vielsagende Blicke ausgetauscht. In vielen Teilen schienen sich die Zuhörer wiederzuerkennen – wenn auch in überspitzter Form.

In Berlin ist der Poetry-Slammer und Autor – unter anderem zusammen mit Marc-Uwe Kling – Mitglied der „Lesedüne“. Außerdem bringt er die Elterntelefonate als Radio-Kolumnen bei radioeins und SWR3. 2013 erschien sein erster Roman "Genau mein Beuteschema“.

Die Tische, an denen man in Grüppchen saß, Getränke zu erschwinglichen Preisen, Kerzenschein und viel indirektes Licht sorgten für Wohnzimmeratmosphäre. Weiterer Pluspunkt für einen stimmungsvollen Abend: Immer wieder hat Lehmann das Publikum angesprochen und einbezogen, was authentisch und charmant herüberkam.

„Der Abend ist abwechslungsreich, und sein trockener Humor ist gut“, sagte Sina Hodes in der Pause. „Man findet sich in den Geschichten wieder“, fand Julia Hodes. Die Veranstalter des Kulturkreises Bösel-Saterland-Friesoythe waren zufrieden. Mehr davon!

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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