Dieses Buch berührt, es bewegt, es macht traurig, lässt einen Tränen in die Augen schießen. Dieses Buch bringt einen aber auch zum Lachen, macht irgendwie froh. Wer dieses emotionale Kunststück auf Papier gebracht hat? Es war Franziska Rolfes. Ein tapferes, fröhliches, neugieriges und sehr schwer krankes Mädchen aus Neulorup. Am 29. August 2015 starb sie infolge ihrer Herzkrankheit. Da war sie erst 15 Jahre alt.

Sie wusste immer, dass ihr vielleicht nicht viel Zeit blieb. Den Lebensmut hatte sie aber nie verloren, schmiedete auch Pläne. Und so hatte sie kurz vor ihrem Tod etwas ganz Besonderes geschaffen. Sie hat ein eigenes Buch geschrieben. Titel: „Halbes Herz – ganz gelebt. Ich schenke euch Geschichten aus meinem Leben.“

Die Geschichten sind in der Tat kleine Geschenke. Ganz offen erzählt sie, dass sie Angst vor dem Tod hat, dass es sie traurig machte, wenn Kinder draußen tobten, während sie im Rollstuhl sitzen musste. Aber dann auch diese Zeilen: „Ich liebe mein Leben. Meine Zeit, die mir noch bleibt, genieße ich sehr. Ich habe viele Wünsche, zum Beispiel Dinge, die ich noch machen will, bevor ich irgendwann sterbe. Einen meiner Wünsche erfülle ich mir gerade, ich schreibe dieses Buch.“

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Erfüllt hat ihr diesen Wunsch der Verein Herzkinder Ostfriesland. Die Elterninitiative für Familien und Kinder mit angeborenem Herzfehler aus Aurich hatte von Franziskas Idee, ein autobiografisches Buch zu schreiben, gehört und war davon begeistert. Schriftstellerische Hilfe bekam sie von den Co-Autorinnen Judith Lehmann und Liane Hadjeres.

Im November 2014 ging es los. Die NWZ berichtete Weihnachten 2014 darüber. Die Geschichten erzählen unter anderem von ihren Eltern („Mama und Papa sind immer für mich da.“), vor ihrer Liebe zu ihren beiden Schwestern Annika und Christin, von ihrem Teddy als ständigen Wegbegleiter, von Krankenhausaufenthalten und dem Treffen mit ihrem Lieblingsschauspieler Tom Beck.

Außerdem ist in dem Buch ihre wundervolle Fantasiegeschichte von den Regenbogenfeen zu lesen. „Ich freue mich schon sehr darauf, wenn alles fertig ist“, sagte das blonde Mädchen damals. Ganz fertig wurde es dann leider nicht. Die Geschichten waren zwar geschrieben, die Reihenfolge der Kapitel festgelegt und auch ein Cover wurde gestaltet. Doch bevor das Buch in Druck gehen konnte, starb das kleine Mädchen.

„Das war eine schwere Zeit für uns. Da haben wir das Buchprojekt erst einmal zur Seite gelegt“, erzählt Franziskas Mutter Marianne Rolfes. Doch mit der Zeit beschäftigte sich die Familie wieder mit dem Buch. „Man hatte das Gefühl, als sei noch eine Rechnung offen“, sagt Franziskas Vater Hermann Rolfes. Gemeinsam mit ihren Töchtern Annika und Christin fiel der Entschluss, den Herzenswunsch ihrer Tochter und Schwester zu Ende zu führen. Es sei schließlich ihr kleines Vermächtnis.

Vor einigen Tagen war es dann so weit: „Halbes Herz – ganz gelebt“ wurde im Rahmen einer Lesung in Westerstede erstmals vorgestellt. Der bekannte Kinderliedermacher Christian Hüser las den Besuchern aus dem 138-seitigem Buch mit viel Einfühlungsvermögen vor. „Das war sehr emotional und nicht leicht für uns“, sagt Marianne Rolfes, „aber wir sind auch sehr stolz auf das, was Franziska gemacht hat.“ Sie seien sehr froh, dass das Buch fertiggestellt wurde. „Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns dabei so tatkräftig unterstützt haben“, sagen Marianne und Hermann Rolfes.

Der Mut der Familie Rolfes, trotz der großen Trauer um Franziska das Buchprojekt zu beenden, hat sich gelohnt. Es ist eine schöne Erinnerung an ein lebensbejahendes, begabtes Mädchen, das viel zu früh ihre strahlend blauen Augen für immer schloss.

Der gesamte Erlös fließt an die Elterninitiative Herzkinder.


Die Autorin erreichen Sie unter 

  www.herzkinder-ostfriesland.de 
Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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