Cloppenburg 40 Tage ohne: Seit Aschermittwoch gilt diese Leit- und Orientierungslinie nach dem Vorbild des Fastens Jesu in der Wüste nicht nur unter Gläubigen in ihren unterschiedlichsten Ausprägungen. Wie gehen die Menschen in der Region die Zeit bis zum Osterfest an? Die NWZ hat nachgefragt.

 Thorsten Brüggemann

Kaplan Thorsten Brüggemann von der katholischen Stadtgemeinde St. Andreas in Cloppenburg sieht in der Fastenzeit eine „innere Vorbereitung auf Ostern, unser höchstes christliches Fest, in der ich meinen Blick auf das Wesentliche lenke“. Neben der geistlichen Dimension geht Brüggemann das Thema seit etlichen Jahren auch unter dem Aspekt des Verzichts an. Konkret bedeutet das für den Kirchenmann: „Keine Süßigkeiten und kein Alkohol während der Fastenzeit“: Zudem versucht Brüggemann, seinen den Fernsehkonsum und die Handynutzung möglichst einzuschränken. Letzteres bereite ihm als Seelsorger allerdings immer wieder Schwierigkeiten, räumt Brüggemann freimütig ein.

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 Steffen Bury

Steffen Bury, Trainer des Fußball-Oberligisten BV Cloppenburg, hat als Kind vor Ostern gefastet. „Ich war sogar Ministrant. Das war eine ganz schöne Zeit“, erinnert er sich. Mittlerweile fastet er aber nicht mehr. „Dafür möchte ich die Fastenzeit nutzen, gewisse Dinge gelassener zu sehen und anzugehen“, sagt Bury mit einem Augenzwinkern.

 Bernhard Hackstedt

Für Bernhard Hackstedt, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Cloppenburg, bietet die Fastenzeit traditionell eine Gelegenheit, „den Versuch zu unternehmen, im Alltag etwas bewusster zu leben und dabei durchaus auch ganz gezielt den Konsum einiger Genussmittel zu reduzieren“. So überlegt er beispielsweise, bei Terminen die eine oder andere Zigarette weniger zu rauchen.

 Günter Schell

Günter Schell, Chef der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta, verändert sein Leben während der Fastenzeit im Vergleich zum Rest des Jahres kaum. „Ich lebe eigentlich das ganze Jahr über gesund“, resümiert der Leitende Polizeidirektor. Auch der immer wieder anlässlich der Fastenzeit ins Feld geführte Verzicht auf Alkohol berührt ihn kaum. Der Grund: Schell bricht in Kürze zu einem zweiwöchigen Urlaub in die Vereinigten Arabischen Emirate auf. „Die sind streng islamisch ausgerichtet. Da werde ich wohl kaum Alkohol angeboten bekommen“, vermutet er.

 Klaus Fleming

Klaus Fleming, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Kreis Cloppenburg) erinnert sich jährlich zur Fastenzeit an seine Herkunft aus einer streng katholischen Familie. „Da gab es am Aschermittwoch und am Karfreitag niemals Fleisch“, so Fleming. Diese Tradition bewahrt er am Karfreitag weiterhin. Sonst habe sich jedoch zwischenzeitlich vieles geändert. Für sich selbst sieht er, bei einer üblicherweise sechs- bis siebentägigen Arbeitswoche, auch in der Fastenzeit „die Notwendigkeit einer vielfältigen Ernährung“.

 Lutz Birkemeyer

Als eine besondere Zeit der bewussten Vorbereitung auf Ostern definiert Lutz Birkemeyer, Geschäftsführer des Cloppenburger St.-Josefs-Hospitals, die Fastenzeit. Er persönlich stellt sich ein Stück weit auf die Zeit bis Ostern ein, indem er bereits „seit etlichen Jahren ab Aschermittwoch für 40 Tage zu 99 Prozent auf Alkohol verzichtet“.

 Dr. Wolfgang Wiese

Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU) hat in diesem Jahr für die Fastenzeit keine konkreten Vorsätze. Allerdings findet er es wichtig, „gerade in einer so hektischen Zeit wie heute, einmal etwas zur Ruhe zu kommen, großen Trubel zu vermeiden und sich zu besinnen.“

 Ursula Bernhardt

Beim Thema Fastenzeit werden für Ursula Bernhardt, Kreisvorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung MIT spontan Kindheitserinnerungen wach: „Wir hatten daheim ein großes Bonbonglas, in dem, für jedes Familienmitglied sichtbar, ab Aschermittwoch alle Süßigkeiten gesammelt wurden. Ostern wurde dann genascht – manchmal mehr, als für den Magen gut war.“ Am Bonbonglas selbst hält Bernhardt nicht mehr fest. Allerdings verzichtet sie in der Fastenzeit traditionell auf Süßigkeiten.

Christoph Floren Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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