Cloppenburg „Eine Synagoge ist ein Ort, wo ein Jude mit Gott sprechen kann. Sie bietet ein Stück Heimat und Geborgenheit.“ So hat Bodo Riethmüller, Vorstand der jüdischen Gemeinde Oldenburg, bei einem Festakt aus Anlass der Einweihung der Cloppenburger Synagoge 1866 die Bedeutung dieses Kultusgebäudes umrissen. Riethmüller sprach wie Dechant Bernd Strickmann und Oberkirchenrätin Annette-Christine bei einer von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit unter Leitung von Karl Sieverding organisierten Veranstaltung am Dienstagnachmittag im Rathaus.

Die Gedenkstunde galt einem Stück Cloppenburger Stadtgeschichte, so der stellvertretende Bürgermeister Hermann Schröer (CDU). Sie erinnerte an die Zeit des seit 1713 währenden Miteinanders. Gleichzeitig war sie ein Zeugnis für die systematische Vernichtung der Cloppenburger Juden. Doch zuerst, so Oberkirchenrätin Lank, diente sie als „Mahnung, wachsam zu sein und die Zeichen der Zeit zu deuten“.

Als Festredner sprach der frühere Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff zur „Geschichte der jüdischen Gemeinde Cloppenburg“. In seinem religionsphilosophischen und religionstheoretischen Referat verwies er unter anderem darauf, dass das Bethaus in Cloppenburg als Symbol jüdischen Selbstbewusstseins parallel zur Neuen Synagoge in Berlin, der größten Einrichtung ihrer Art in Deutschland, eingeweiht wurde. Dazu erinnerte Mussinghoff etwa an das Leben und Werk von Leo Trepp, letzter Oldenburger Landesrabbiner (1936 – 1938), und dessen Amtsvorgänger Samson Raphael Hirsch (1808 – bis 1888) als Brückenbauer zwischen Juden und Christen. Musikalische Akzente setzten das Gesangsquartett „Die Vier-Takter“ mit israelischen Melodien sowie Alexander Fangmann (E-Piano) und Jakob Ellmann (Klarinette) mit Klezmer-Klängen.

Vor 150 Jahren war die Cloppenburger Synagoge auf dem Hofkamp das Bethaus der mit 40 Köpfen kleinsten israelitischen Gemeinde im Großherzogtum Oldenburg. Die Bau- und Einrichtungskosten von 1400 Reichstalern wurden durch Zuschüsse, Eigenleistung, Sammlungen und Spenden erbracht. Das Grundstück hatte die Gemeinde kostenlos erhalten.

Nach jahrzehntelanger Nutzung des roten Klinkerbaus als religiöses Zentrum brannte die SA die Synagoge im Zuge der nationalsozialistischen Pogrome am 10. November 1938 nieder. Vor seiner Auswanderung 1939 übertrug der letzte jüdische Gemeindevorsteher Heiersberg die Ruine samt Grundstück der Stadt Cloppenburg. 1965 errichtete das St.-Josefs-Hospital dort eine Leichenhalle. Seit 1983 erinnert eine zum 45. Jahrestag der Zerstörung der Synagoge angebrachte Gedenktafel an das Gebäude.

Christoph Floren Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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