Cloppenburg Auch in diesem Jahr ist am Passionssonntag, dem Sonntag Judica, wieder eine Abendmusik mit einer Passionsvertonung vom Kammerchor der Bether Basilika mit Solisten und dem Instrumentalensemble „Klangkunst“ unter der Leitung von Christian Kienel dem zahlreich erschienenen Publikum in der Bether Wallfahrtskirche sehr ansprechend dargeboten worden.

Zu Beginn der beiden Teile der G. F. Händel zugeschriebenen Johannespassion, einem Frühwerk des vermeintlichen Tonschöpfers, musizierten die Ausführenden jeweils einen Motettensatz von J. S. Bach, „Der Gerechte kommt“ und O Jesu Christ, meins Lebens Licht“. Der ruhig dahinfließende Duktus beider Trauergesänge wurde durch das homogene Klangbild mit vokaler Betonung zu einem fast klassisch anmutendem italienischen Lamento geformt.

Nach der nur wenige Takte umfassenden Sinfonia setzt bereits der Evangelist mit der Erzählung der Johannespassion ein, die abschnittsweise als Rezitative geformt ist. Die besondere Gestaltung dieser Gesangspartien mit Orchesterbegleitung und darstellender Ausdrucksweise weisen in den Bereich der barocken Oper. Jonas Finger (Tenor) gelang dabei, die verschiedenen Affekte penibel auszudeuten.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Die Partie des Pilatus in Altlage von einer Altistin beziehungsweise Mezzosopranistin und nicht von einem Altus singen zu lassen, tat der einfühlsamen Wiedergabe dieser ersten überlieferten Vertonung der Johannespassion keinen Abbruch. Anna-Lena Kaschubowski überzeugte mittels klarer und präziser Stimmführung. Insbesondere die chromatisch absteigende Linie auf dem Wort „kreuzigen“ löste einen Schauder aus. Das Moment der Kakophonie war ein durchweg übliches Stilmittel in der barocken Affektenlehre.

Auch Max Ehlert (Bass), der die Partie des Jesu übernommen hatte, verhalf der Textverständlichkeit auf Grund des transparenten Timbres seiner Stimme zu ihrem Recht. Das ist angesichts der affektgeladenen musikalischen Sprache des Barock keine Selbstverständlichkeit.

Die jeweils eingefügten Arien für die vier Solostimmenlagen mit Orchesterbegleitung, zum Teil als Duette in verschiedenen Besetzungen, widmen sich der Betrachtung des Passionsgeschehens. Hier legten alle vier Solisten, also auch Sigrid Buschenlange (Sopran) geradezu viel Herzblut in ihre Gesangspartien, so dass ihre Darbietungen eine enorm plastische Ausdruckskraft erfuhren.

Hier muss auch dem Ensemble „Klangkunst“ und seinem Leiter Arthur Mildner große Anerkennung ausgesprochen werden. Die große Kunst beim Musizieren besteht vor allem darin, dass Vokalisten im Zusammenwirken mit Instrumentalisten stimmlich nicht überfordert werden.

In einigen vom Orchester begleiteten Arien sind die Solovioline und das Solocello als korrespondierende Partner der jeweiligen Solisten gemäß dem konzertierenden Stil gegenübergestellt. Dabei fanden beide Seiten zu einem gleichberechtigten Dialog.

Dem Kammerchor gebührt ebenso großes Lob, da er ausdrucksvoll und mit viel Engagement den Passionstext musikalisch formte. Die kleinen Korrespondenzprobleme zwischen Chor und Solisten fielen kaum ins Gewicht. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall für diese ergreifende Darbietung.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.