Essen „Wie London an der Themse, jedoch nicht ganz so groß, liegt Essen an der Hase und handelt frisch drauf los.“ Mit dieser und mit den weiteren Strophen des Essener Nationallieds gelang es dem Referenten Dr. Dirk Beyer, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen, als er aus seiner langjährigen Forschungsarbeit zur Geschichte der Gemeinde Essen, über die bereits drei Bände erschienen sind, beim 309. historischen Nachmittags des Geschichtsausschusses im Heimatbund für das Oldenburger Münsterland einen Vortrag hielt.

Karten und Luftbilder verdeutlichten, dass ein feinadriges Bach- und Flusssystem die Gemeinde auf einer Länge von rund 156 Kilometern durchzieht. Dies machte den Bau eines Hochwasserschutzes von 1979 bis 1996 notwendig, der mit einer Erhöhung des Flusswalls im Ortskernbereich von 50 Zentimetern auf zwei Meter seinen vorläufigen Abschluss gefunden hat.

Auch die Entstehung der Kirchen und des Klosters in Essen waren Thema, wobei letzteres nur von 1175 bis 1194 bestand und nach einer Brandkatastrophe 1194 nach Malgarten verlegt wurde. Ebenfalls wurde die Reformation, die durch Franz von Waldeck eingeführt und durch seinen Superintendenten Hermann Bonnus im Niederstift Münster umgesetzt wurde, sowie die durch Ferdinand von Bayern 1612 erfolgte Gegenreformation thematisiert. Dadurch war der evangelische Glaube von 1543 bis 1613 für 70 Jahre in Essen und im Oldenburger Münsterland wirksam.

Neben einer Betrachtung der Verwaltungsentwicklung Essens interessierte die Zuhörerschaft die Ausführungen über die „Reidemeierhöfe“ Große Beilage und Crone- Münzebrock. „Reidemeier“ leitet sich, so Beyer, vom Althochdeutschen „reiti“ ab, was in unserem Sprachgebrauch „bereit“ im Sinne von „fertig“ bedeutet. Dieser Begriff brachte zum Ausdruck, dass der „Reidemeier“ stets ein sattelfertiges Pferd für seinen Landesherrn bereithalten musste. An diese Verpflichtung erinnerte noch bis ins 20. Jahrhundert der sogenannte „Klepperstall“ des Hofs „Gr. Beilage“. Eine detaillierte Beschäftigung mit den Genealogien der beiden Höfe stellte ferner besondere Persönlichkeiten Essens heraus, die politisch aktiv waren. So waren Gerhard Crone-Münzebrock langjähriger Abgeordneter im Oldenburger Landtag, Dr. August Crone-Münzebrock Mitglied der Zentrumspartei mit einem Mandat zunächst im preußischen Landtag sowie später im deutschen Reichstag und Dr. Heinrich Große Beilage Landtagsabgeordneter in Oldenburg und Vorsitzender der Landvolkbewegung.

In einem Ausblick wurden die bäuerliche Bevölkerung und das Heuerlingswesen angesprochen sowie Handwerk und Gewerbe erwähnt. In seinem vierten Band zur Geschichte der Gemeinde, der zurzeit von Beyer bearbeitet wird, soll auch die Zeit des Nationalsozialismus thematisiert werden. Hier wird auch dem aus der Gemeinde Essen stammenden Pater Aurelius Arkenau gedacht, der Juden vor der Verschleppung bewahrt und im Dominikanerkloster in Leipzig versteckt hatte.

Peter Linkert Redaktionsleitung Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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