Cloppenburg Ein sehr bemerkenswertes Orgelkonzert hat der Cloppenburger Kirchenmusiker Karsten Klinker jetzt in der St.-Andreas-Kirche als Hommage an seinen ersten Orgellehrer, Professor Günter Berger, gegeben. Dieser hat in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert. Zu dem Konzert am Sonntag waren Berger und seine Frau extra nach Cloppenburg angereist.

Klinker hatte für seine Darbietung ein überaus anspruchsvolles Programm ausgewählt, wobei choralgebundene Orgelkompositionen von Günter Berger im Vordergrund standen. Zunächst erklang der Kopfsatz aus der V. Orgelsymphonie op. 42, Nr. 1 von Charles-Marie Widor, dem Vater der Orgelsymphonie. Dieser Variationensatz mit seinem maskulinen Thema wird mit orgelsymphonischem Klangidiom facettenreich durchgeführt. Klinkers Vortrag wurde zum großen Erlebnis, das mit der apotheosenhaften Steigerung am Schluss endete.

In der Partita „Gott sei gelobet und gebenedeiet“ mit ihren fünf Versetten kommt der Personalstil des Komponisten Günter Berger in besonderer Weise zum Ausdruck. Handwerkliche Meisterschaft und künstlerische Inspiration gehen hier eine überaus gelungene Symbiose ein, die Klinker an der Führer-Orgel vortrefflich umzusetzen wusste.

Die anschließende Tanz-Toccata über „Nun danket alle Gott und bringet Ehr“ von Günter Berger wurde unter Karsten Klinkers Händen und Füßen zu einem grandiosen Klangerlebnis, das den Jubilar zu einem Bravo-Ruf veranlasste.

In seiner Improvisation über das Marienlied „Maria breit den Mantel aus“ lotete Klinker äußerst subtil Text und Melodie aus, also ganz im Sinn der Intention der Schutzmantel-Madonna. Bei den mehr als zahlreich erschienenen Zuhörern in der Kirche hinterließ seine Darbietung einen tiefen Eindruck.

Nochmals brachte Karsten Klinker eine Partita von Günter Berger zu Gehör, über das geistliche Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“. Wiederum gelang es dem Interpreten, die zeitgenössische Tonsprache des Komponisten feinsinnig und ausdrucksbetont auszudeuten, was abermals die Zuhörerschaft tief beeindruckte.

In Günter Bergers Zitatentoccata „Freude schöner Götterfunken“ verbindet der Komponist Zitate aus Bachs berühmter d-Moll-Toccata mit Schillers „Ode an die Freunde“ aus Beethovens IX. Sinfonie. Eine solche Kompositionsweise ist eigentlich nichts Neues, was zum Beispiel „Evocation à la Chapelle sixtine“ von Franz Liszt unter Beweis stellt. Auch hier fand Klinker zu einer überzeugenden Interpretation, die vor allem die kompositorische Meisterschaft der Inspiration des Tonschöpfers ohne plakative Attitüden in den Vordergrund stellte.

Als fulminanter Abschluss erklang schließlich die unsterbliche Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 von Johann Sebastian Bach; „Bach: Anfang und Ende aller Musik“, wie es einst der Komponist Max Reger formuliert hatte. Klar strukturiert, transparent und dennoch spätbarock vollklingend registriert, präzise Artikulation und Agogik sowie wohlüberlegte Klaviaturwechsel zeichneten Klinkers lebendiges Spiel aus, so dass die Polyphonie stets gut durchhörbar war.

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