Cloppenburg Seinen Klavierabend in der Cloppenburger Stadthalle am vergangenen Sonntag hatte Ludwig Kleinalstede als „Russische Impressionen“ überschrieben. Seine interessante Programmauswahl an russischer Klaviermusik reichte von der Romantik bis zur Klassischen Moderne.

Facettenreiches Spiel

Im ersten Teil brachte Kleinalstede Stücke aus diversen Klavierzyklen von Sergej Rachmaninoff zu Gehör. Den Auftakt bildete das Prélude g-Moll „alla Marcia“ aus op. 23. Es folgten weitere Préludes aus op. 23 und op. 32 sowie zwei Konzertetüden aus op. 33 und abschließend das Moment musicaux e-Moll 16, Nr. 4. Ludwig Kleinalstede entwickelte in seinem herrlichen Vortrag den immensen Facettenreichtum an Emotionen, der aus diesen Werken spricht. Hervorzuheben ist das Prélude gis-Moll op. 32, Nr. 12, das sozusagen einen Vorläufer der Minimal Music darstellt.

Für den zweiten Teil hatte Kleinalstede die vierte Klaviersonate op. 30 von Alexander Skrjabin, einem Zeitgenossen Rachmaninoffs, ausgewählt. Hier entführte der Interpret das Publikum in eine Welt des Mystischen und der Ekstase. Vor allem kündigt sich in dieser Komposition Skrjabins Bestreben an, nicht nur die Harmonik, sondern jeden einzelnen Ton als Farbe (Chroma) im Sinne des durch ein Prisma gebrochenen Lichtstrahls einzusetzen. Kleinalstedes sinnfällige Interpretation zeichnete sich durch die vom Komponisten vorgegebenen Intentionen aus. Das bewusste Ausspielen sämtlicher Nuancen ließen diese Darbietung zum großen Erlebnis werden.

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Mit der Klaviertoccata op. 11 von Sergej Prokofjew wurde die Klassische Moderne erreicht. Kleinalstedes profunde Technik verwandelte das Werk in ein Perpetuum mobile des Maschinenzeitalters, wobei das Klavier zum Schlaginstrument umgedeutet wurde. Die Assoziation zu Gygöry Legetis Continum für Cembalo aus dem Jahr 1968 liegt nahe.

Zuschauer gefesselt

Nach der Pause bescherte Ludwig Kleinalstede mit Peter Tschaikowskys „Großer Klaviersonate“ G-Dur op. 37 dem Publikum einen fulminanten Ausklang seiner vorzüglichen Darbietung. Die Orientierung an Beethoven, nahezu sämtliche Komponisten der musikalischen Romantik beriefen sich auf ihn, nimmt in der Klaviersonate Tschaikowkys sinfonische Dimensionen an. Deshalb ist sie viersätzig angelegt. Wiederum vermochte Kleinalstede durch seinen brillanten Vortrag die Zuhörer zu fesseln. Dass Tschaikowsky ein begnadeter Melodiker war, kam in Kleinalstedes Wiedergabe glänzend zum Ausdruck. Dem kraftvollen und resoluten Kopfsatz folgte ein liedhaftes, zuweilen elegisches Andante. Ludwig Kleinalstede fing in seiner Interpretation die unterschiedlichen Stimmungen beziehungsweise Affekte ausdrucksbetont ein. Dem Scherzo mit der Tempoangabe Allegro giocoso entlockte er den tänzerischen Charakter geradezu spielend. Schließlich wurde das Finale, Allegro vivace, zu einem beredten „Rauschschmeißer“, der wie so oft bei Tschaikowsky nicht enden will.

Das begeisterte Publikum sparte nicht mit überwältigenden Beifallsbekundungen.

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