Cloppenburg Ein Konzertprogramm mit Werken der deutschen Romantik hat die Kammersinfonie Oldenburg am Samstag im Clemens-August-Gymnasium Cloppenburg präsentiert.

Zu Beginn erklang unter Leitung von Olaf Wiegmann die Concert-Ouvertüre im ernsten Stil von Louis Spohr. Ernst ist diesem Fall mit seriös zu interpretierten. Während Instrumentation und Form noch ganz der Wiener Klassik verpflichtet sind, befindet sich die Harmonik unter Bevorzugung dunkler Farben bereits in der Romantik.

Neben akkordfremden Tönen sind vor allem die Terzverwandtschaften das ausschlagebene Mittel. Wiegmann drängte die Oldenburger Kammersinfonie zu intensivem Spiel, was die Herausarbeitung dynamischer Gegensätze und Thematik mit ihren unterschiedlichen Stimmungen stärkte.

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Fulminanter Höhepunkt war ohne Zweifel das erste Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber mit Ramona Katzenberger als Solistin. Dies ist ein Kabinettstück im Virtuosenrepertoire des 19. Jahrhunderts, da Form und Ausdruck sich die Balance halten. Schon im kraftvollen Kopfsatz, in dem Webers Freischütz durchschimmert, brillierte Ramona Katzenberger mit splendider Spieltechnik und zugleich großem Ausdruck. Ebenso im Adagio ma non troppo dokumentierte die Solistin einen enormen Gestaltungswillen, wo sie die Melodiebögen wunderbar ausschwingen ließ.

Geradezu beherzt ließ Ramona Katzenberger im abschließenden Rondo Allegro ihre Klarinette erklingen. Sie hatte die Absicht des Komponisten souverän umgesetzt, indem sie die verschiedenen Register der Klarinette zur vollen Entfaltung brachte, vom strahlenden Klarinentimbre im Diskant über die flötenhafte Mittellage bis zum hohlen Charakter gleich einem französischen Cromhorne in der Tiefe.

Die Kammersinfonie Oldenburg beschloss mit der Reformations-Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy ihr Konzert. In der kurzen ausdrucksvoll gespielten Introduktion, Andante, taucht ein kurzes Motiv auf, das man später in Wagners Parsifal wiederfindet.

Auch im anschließenden Allegro con fuoco klingt es erneut an. Dieser kraftvolle Satz sprühte frühromantischen Sturm und Drang aus, was in engagiertem und konzentriertem Spiel zum Ausdruck kam. Abweichend vom klassischen Formenkanon folgte ein behändes Allegro vivace, ein Scherzo, das sich durch Spielfreude auszeichnet, die das Orchester herrlich vermittelte. Kantabel wie „ein Lied ohne Worte“ präsentierte sich der langsame Satz, Adagio ma non troppo, dabei fand die Oldenburger Kammersinfonie zu besonderem und ausdrucksvollem Spiel.

Der Finalsatz, abermals ein Allegro vivace und zugleich attacca gespielt, das heißt ohne Unterbrechung folgend, wird von der Flöte mit dem Luther-Choral „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ intoniert. Daraus entwickelt sich eine komplexe kontrapunktische Durchführung als sinfonische Dichtung und zugleich als Choral-Fantasie. Wiederum motivierte Wiegmann das Orchester zu höchst konzentriertem Spiel. Neben polyphoner Transparenz kam das expressive Moment nicht zu kurz. Schließlich mündete nach einer spannungsgeladenen Steigerung der Finalsatz am Schluss in die große Choralapotheose, womit ein überaus gelungener Konzertabend beschlossen wurde.

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