Cloppenburg Unter dem Motto „Orgel hoch drei“ haben das Ensemble Klangkunst unter der Leitung von Arthur Mildner und der Cloppenburger Kirchenmusiker Karsten Klinker am Sonntag in der St.-Bernhard-Kirche zu Emstekerfeld ein äußerst bemerkenswertes wie anspruchsvolles Konzert gegeben. Zu Beginn erklang der Kopfsatz, un poco Andante – Allegro molto ed agitato, des einzigen vollendeten Streichquartetts g-Moll op. 27 von Edvard Grieg in der Fassung für Streichorchester. Die gesamte Darbietung zeichnete sich durch hochkonzentriertes Musizieren aus, was dem komplexen Gefüge dieses Satzes eine ungemeine Transparenz verlieh. Die herbe Tonsprache auf Grund modal intendierter folkloristischer Einflüsse führte in fast schon expressionistische Ausdrucksbereiche, wobei stets ein hohes Maß an Expressivität präsent war. Hervorzuheben ist das ausdrucksvolle Cello-Solo gegen Ende des Kopfsatzes, das von sphärisch-ähnlichen Tremoli der hohen Streicher begleitet wird.

Anschließend brachte Karsten Klinker an der Lobback-Orgel den Kopfsatz, Allegro vivace, aus der fünften Orgelsymphonie op. 42, Nr. 1, von Charles-Marie Widor, dem weltberühmten Organisten an Saint-Sulpice in Paris, Komponisten, Hochschullehrer und Musikfunktionär, zu Gehör. Dass hier ein Höchstmaß an spieltechnischem Rüstzeug und zugleich eine absolut stilsichere Gestaltungsfähigkeit vorausgesetzt werden, dokumentierte Klinker par excellence. Souverän baute er diesen Variationssatz mit seinem marschartigen Thema zu einem großen Crescendo auf, der im strahlendem Grand Choeur seinen Abschluss fand.

Mit dem Divertimento D-Dur KV 136 von Wolfgang Amadeus Mozart bot das Ensemble Klangkunst ein besonderes musikalisches Bonbon dar. Quasi als ein Intermezzo fügte es sich in die Programmfolge ein. Bei aller Heiterkeit, die aus dieser Musik spricht, war wiederum höchste Konzentration ansagt. Dynamisch hervorragend austariert, rhythmisch präzise und dennoch leicht arbeitete das Ensemble Klangkunst jenen für Mozart typischen musikalischen „Drive“ wie ein Perpetuum mobile heraus.

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Natürlich durfte eine Orgelkomposition von Johann Sebastian Bach nicht fehlen. Karsten Klinker hatte die „Dorische“ Toccata BWV 538 ausgesucht. Der dichte polyphone Satz verlangt höchste Präzision hinsichtlich Akzentuierung und Agogik sowie ein feines Gespür für durchsichtige und zugleich prägnante Registrierungen. All das formte Klinker zu einem überaus beredten Vortrag. Dabei entlockte er abermals eine großartige Klangpracht diesem hervorragenden Instrument.

Abschluss und zugleich Höhepunkt des Programms war die Wiedergabe des Konzertes für Orgel und Orchester F-Dur HWV 295 von Georg Friedrich Händel. Auf Grund seiner Satzstruktur – langsam, schnell, langsam, schnell – handelt es sich um den Typus der barocken Kirchensonate. Karsten Klinker an der Lobback-Orgel und das Ensemble Klangkunst unter Leitung von Arthur Mildner fanden in ihrer engagierten Darbietung zu einem im besten Sinne musikantischen Dialog. Während in den langsamen Sätzen die Orgel vornehmlich den Continuo-Part übernimmt, korrespondiert sie solistisch in den schnellen mit dem Orchester. Die beiden von Händel verwendeten musikalischen Motive, die Kuckucks-Terz und der Nachtigallenruf, brachten diesem Werk den Beinamen „Der Kuckuck und die Nachtigall“ ein. Beide Motive wusste Klinker durch sein vorzügliches Spiel mittels ausgesuchter Registrierungen hervorzuheben.

Als Zugabe erfreute Karsten Klinker das Publikum mit einem richtigen „Rausschmeißer“, die Sortie Es-Dur von Louis-James-Alfred Lefébure-Wély, dem unmittelbaren Vorgänger Widors an Saint-Sulpice in Paris.

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