Cloppenburg Drei Gründergestalten des Heimatbundes Oldenburger Münsterland haben jetzt im Mittelpunkt des Akademieabends des Geschichtsausschusses gestanden. Dazu waren 60 Geschichtsinteressierte aus der Region nach Stapelfeld gekommen. Die Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt zum Heimatbund-Jubiläum 2019, die Kulturinstitution wird im kommenden Jahr 100 Jahre alt.

Professor Dr. Uwe Meiners, bis zum Frühjahr noch Direktor des Cloppenburger Museumsdorfs, stellte in einem ersten Vortrag den Museumsgründer Dr. Heinrich Ottenjann (1886 bis 1961) vor. Der Cloppenburger Studienrat habe gleich nach der Gründung 1919 im Heimatbund mitgewirkt und bald den Auftrag für den Aufbau eines Heimatmuseums erhalten. Dass daraus ein Freilichtmuseum wurde, sei letztlich dem Umstand zu verdanken, dass die Nationalsozialisten der Pflege bäuerlichen Kulturerbes mehr als aufgeschlossen gegenübergestanden hätten. Ottenjann habe diese Sympathien für ein Museumsdorf zu nutzen verstanden, ohne seine christliche Haltung zu verleugnen und zum überzeugten Nationalsozialisten zu werden, betonte Meiners. Der langjährige Museumsdirektor plädierte für eine differenzierte Sichtweise auf die Haltung Ottenjanns während der Jahre 1933 bis 1945.

Dies forderte auch PD Dr. Maria Anna Zumholz für die von ihr porträtierten Heimatschriftstellerin Elisabeth Reinke (1882 bis 1981) ein. Die gebürtige Cloppenburgerin, die nach dem Ersten Weltkrieg nach Vechta zog, sei eine der wenigen Frauen in der Heimatbundbewegung gewesen. Zumholz, die an der Arbeitsstelle für Katholizismus- und Widerstandsforschung der Uni Vechta tätig ist, kam zu dem Schluss, dass Reinke sich in ihrem langjährigen und breiten literarischen Schaffen als weitaus facettenreicher als angenommen erwiesen habe. Zwar sei in Vechta eine Straße nach ihr benannt, jedoch fehle ein Gesamtverzeichnis ihrer vielen Geschichten und Theaterstücke, die man nur noch verstreut abgedruckt finden könne, so Zumholz.

Im dritten Referat stellte Geschichtsausschuss-Vorsitzender PD Dr. Michael Hirschfeld den aus Rechterfeld stammenden Vechtaer Gymnasiallehrer Dr. Georg Reinke (1874 bis 1955) vor. Hirschfeld stellte Reinke als einen geistreichen und beliebten Heimathistoriker vor, der durch seine Vorträge und Veröffentlichungen breite Bevölkerungsschichten aus der Region in seinen Bann gezogen habe. Hirschfeld, der am Gymnasium Lohne Deutsch und Geschichte unterrichtet und zugleich Privatdozent für Geschichte an der Uni Vechta ist, hob insbesondere Reinkes „Wanderungen durch das Oldenburger Münsterland“ hervor, mit denen dieser in Anlehnung an Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ein in der regionalen Gesellschaft tief verwurzeltes Standardwerk geschaffen habe.

Dem Heimatbund habe sich Reinke als Vorsitzender des Ausschusses für Heimatgeschichte, Autor der „Heimatblätter“ sowie Leiter der Heimatbibliothek von der Gründung bis 1936 eng verbunden gefühlt. Er habe sich dann aber vor dem Hintergrund der zunehmenden Vereinnahmung des Heimatbundes durch die NS-Ideologie bis 1945 aus der Arbeit zurückgezogen und auch nicht mehr publiziert.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die einzelnen Aktivitäten dieser Pioniere für die Heimatbewegung einer detaillierteren Untersuchung unter Heranziehung weiterer Dokumente und persönlicher Nachlässe bedürfen.

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