Cloppenburg Schon von weitem hörte man am Sonnabend-Nachmittag die dumpfen Böllerschüsse. Und je näher man der Schießanlage des Bürgerschützenvereins Cloppenburg an den Ambührener Tannen kam, desto notwendiger wurden die Ohrenstöpsel.

34 Böllergeräte

Zum vierten Adventsböllern hatte die Bürgerartillerie – eine Abteilung im Bürgerschützenverein – eingeladen. Der Einladung folgten circa 100 Teilnehmende aus sieben Vereinen: Markhausen, Farger Schützengesellschaft bei Bremen, Vechta, Scharrel, Varrelbusch, Essen und Cloppenburg. Diese hatten 34 Böllergeräte und Kanonen mitgebracht. Darunter befanden sich sechs Standböller, 18 Schaft- und Handböller sowie zehn Kanonen.

50 Kg Schwarzpulver

Hochgerechnet wurden zwischen 40 und 50 Kilogramm Schwarzpulver in Dampf, Rauch und Donner verwandelt. „Das Böllern entspringt einem alten heidnischen Brauch. Mit lautem Geräusch und Knallen sollten böse Geister vertrieben werden“, wusste die Kommandantin der Cloppenburger Bürgerartillerie, Ute Jansen, zu berichten. Nachweislich sei das Böllern in der Vorweihnachtszeit bereits seit dem 14. Jahrhundert betrieben worden.

Es sei ein Relikt aus der Keltenzeit – durch das Böllern und Getöse habe man dem Christkind und dem Nikolaus den Weg zur Erde hörbar machen wollen, fügte die zweite Kommandantin Renée Hadeler hinzu. Somit sei die Tradition in das Christentum integriert worden.

Sicherheit das A und O

Sicherheit sei das A und O bei diesem aufwendigen Hobby, sagte Jansen. Böllern dürften nur volljährige Personen mit einer gültigen Erlaubnis. Ebenfalls müssten die verwendeten Geräte amtlich abgenommen sein. Jansen moderierte die Veranstaltung, so dass auch unkundige Nichtschützen verfolgen konnten, welche Schüsse von welchem Gerät abgefeuert wurden. Der Cloppenburger Verein besteht seit elf Jahren, und in seinem Besitz befinden sich zwei Kanonen und acht Handböller. Von den 50 Mitgliedern sind acht aktiv dabei.

Mit nachgebauten Kanonen aus dem 15. Jahrhundert reisten zum Beispiel einige Mitglieder des Kanonen- und Böllervereins Markhausen an. Ihre original nachgeschneiderten Uniformen aus Leder ließen erahnen, wie es ungefähr im 15. Jahrhundert auf den Feldern und in den Städten ausgesehen haben muss. Wie die Cloppenburger Bürgerartillerie auch haben sie ihre großen Auftritte unter anderem bei Hochzeiten, Schützenfesten oder Jubiläen. Dann werden neben langsamen und schnellen Reihen auch Salutschüsse abgefeuert.

Kostenlose Ohrenschützer

Zahlreiche Zuschauer – fast alle mit Ohrenschützern, die kostenlos verteilt wurden – wohnten am Sonnabend dem Ereignis im Cloppenburger Ortsteil bei. Eine besondere Aufwartung machte der Schützenthron der Ortschaft (Stadt Löningen) der Veranstaltung.

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