Cloppenburg /Elsten /Moskau /Sotschi Schnapsideen sind häufig die besten Ideen. Dieser Meinung sind auch vier Jungs aus Elsten. Sie saßen Ende vergangenen Jahres gemeinsam in ihrer Stammkneipe Vaske-Thölking in Elsten, als ihnen nach ein paar Bier die Idee kam, zu einem Spiel der Weltmeisterschaft nach Russland zu fahren. „Ich habe gleich Fotos von den Pässen gemacht und die Bewerbung abgeschickt“, erinnert sich Bernd Lübbehüsen beim Gespräch in der Cloppenburger NWZ-Redaktion.

Der 26-Jährige nahm die Bewerbung um die Tickets bei der FIFA in die Hand. Mit ihm wollten auch Christian Willenbrink, Michel Otten und Andreas Wilken nach Russland fliegen. Das Verfahren zur Bewerbung war sehr aufwendig, erinnert sich Lübbehüsen. Bei der Vergabe der Tickets gab es mehrere Etappen, und die Elstener rechneten nach einiger Zeit schon gar nicht mehr mit Karten. „Irgendwann kam dann eine E-Mail, die musste ich mir zwölf Mal durchlesen, bevor ich verstanden hatte, dass wir Karten bekommen werden.“

Das Spiel gegen Schweden am kommenden Samstag, 23. Juni, ist es geworden. Anpfiff ist um 16 Uhr in Sotschi. Die Tickets kosten die vier Elstener jeweils 135 Euro. Von der Idee, nach Russland zu fliegen, war auch Simon Düker begeistert. Er findet das Land spannend und hat sich deswegen spontan entschieden, mitzufahren. Der 29-Jährige hat jedoch keine Eintrittskarte für das Spiel. „Vier Fußballfans und ein Reiseleiter“, scherzt Düker.

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„Russland wäre jetzt nicht meine erste Wahl gewesen“, meint Christian Willenbrink. „Wäre die Weltmeisterschaft nicht da, würden wir wahrscheinlich nie dahin fliegen“, meint auch Michel Otten. Für alle Elstener geht es das erste Mal in das Land von Wodka, Wolga und Wladimir Putin.

Nur Lübbehüsen war bisher bei einem großen Fußball-Event dabei. „Ich hab kurzfristig Karten für die Fußball Europameisterschaft 2016 in Frankreich bekommen. Da konnte ich noch schnell mit dem Auto hinfahren“, sagt der Elstener.

Nun sei das gesamte System anders, übertragbar sind die Tickets nicht. Denn die Karten sind individualisiert, und die Fußball-Fans haben nur mit ihrer Ticket-Nummer eine sogenannte Fan-ID erhalten. Darauf sind Name und Foto des Ticketinhabers zu sehen. Das Dokument extra für das Turnier gilt gleichzeitig als Visum. Simon Düker als Nachzügler musste sich um sein Visum selbst kümmern.

An diesem Mittwoch beginnt die Reise mit einem Flug nach Moskau. Da es keinen Direktflug zum Spielort Sotschi am Schwarzen Meer gibt, entschieden sich die Fünf für einen zweitägigen Zwischenstopp in der Hauptstadt des WM-Gastgebers. „Da wollen wir auf jeden Fall den Roten Platz und einige Museen besichtigen“, sagt Düker. Dann geht es weiter nach Sotschi, bevor es am 25. Juni wieder über Moskau zurück nach Düsseldorf geht.

Am Austragungsort ist ebenfalls Zeit für Sightseeing: Die Olympia-Stätten und das Schwarze Meer stehen auf der Liste der Elstener. Bei der Reisevorbereitung lief derweil nicht alles glatt. Eine zuerst gebuchte Unterkunft war im Internet mit dem falschen Preis versehen und wurde wieder storniert. Das jetzige Appartement in Sotschi ist vergleichsweise günstig, sagt Willenbrink. „Vielleicht gibt es das auch gar nicht“, zuckt Lübbehüsen mit den Schultern und lacht.

Karten für weitere Spiele sind derzeit nicht zu bekommen. „Es gab noch eine Bewerbungsphase mit Tickets, die zurückgegeben wurden. Die Tickets für das Spiel in Sotschi werden jetzt für die um 700 Euro im Internet angeboten“, hat der Fußballer und Trainer recherchiert.

Und wie zufrieden sind die Fans mit der derzeitigen Form ihrer Elf? „Die letzten beiden Vorbereitungsspiele waren beschissen“, meint Willenbrink ehrlich, Düker hat dagegen eine Weisheit parat: „Deutschland wächst mit seinen Aufgaben im Turnier.“ Otten und Lübbehüsen tippen auf einen 3:0-Erfolg gegen Schweden, Andreas Wilken glaubt an einen 2:1-Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Einig sind sich die Elstener, dass Deutschland seinen Titel verteidigen kann. Tatkräftige Unterstützung aus der Ferne ist Jogi’s Jungs dank den Elstener Jungs sicher.

Durch die 0:1-Niederlage der Nationalelf am Sonntag gegen Mexiko, ist der Weltmeister nun in Sotschi gefordert. „Jetzt muss die Mannschaft liefern“, sagte Lübbehüsen am Montag. Er war enttäuscht vom Spiel Deutschlands in Moskau. „Von der Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, war es ähnlich emotionslos wie gegen Saudi Arabien“, meint Lübbehüsen. Wie man es in Sachen Herzblut und Leidenschaft besser mache, hätten die Mexikaner eindrucksvoll bewiesen. Einziger Spieler in WM-Form sei Torhüter Manuel Neuer gewesen. Zudem hätten ihm die Einwechselspieler Marco Reus und Julian Brandt gut gefallen. „Sie haben unbekümmert aufgespielt, und ihnen war anzumerken, dass sie Bock darauf haben, eine WM zu spielen“, so Lübbehüsen.

Die Leistung der deutschen Elf sei ein Spiegelbild der holprigen Vorbereitung gewesen. Trotz der Auftaktniederlage sind Lübbehüsen und seine Mitfahrer optimistisch, dass das Team den Bock umstoßen kann. „Jetzt muss Deutschland beweisen, dass es eine Turniermannschaft ist“, meint Lübbehüsen. Die Deutschen müssen gewinnen und dementsprechend spannend dürfte es am Samstag im Stadion von Sotschi werden. Die Schweden schätzt Lübbehüsen, gerade weil ihr Superstar Zlatan Ibrahimovic nicht im Kader sei, als einen unberechenbaren Gegner ein.


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Mareike Wübben Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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