Bösel Weißer Sandstrand, blaues Wasser und drum herum: nur Wald und ein wolkenloser Himmel. Diese Idylle trügt. Jeden Tag besteht die Gefahr, beim Schwimmen in die Tiefe gesogen zu werden. Jeden Tag besteht die Gefahr, beim Sonnen vom Sand verschluckt zu werden. Christoph Vagelpohl, Disponent des Kalksandsteinwerks, erklärt warum.

Es herrscht Betrieb

Zunächst einmal ist der Baggersee am Kronsberg ein Betriebsgelände, kein Badepark. 30 Mitarbeiter sind hier für die Produktion von Kalksandstein zuständig; dieser wird zum Bau von Häusern verwendet. Nur alle drei bis vier Jahre ist für die Rohstoffgewinnung der Saugbagger im Einsatz – wie auch in diesem Jahr.

Der Saugbagger treibt reglos auf dem See. Unter Wasser wird der Sand wie durch einen Staubsauger eingesaugt – in bis zu 20 Metern Tiefe. Über Rohrleitungen wird das Wasser-Sand-Gemisch dann in zwei riesige Sandgruben befördert. Beinahe lautlos.

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Doch tritt man einmal näher heran, hört man es: ein dumpfes, aber gleichmäßiges Rauschen in den Rohren. „Tausende Kubikmeter schießen hier durch die Rohre“, sagt Vagelpohl. Die mutmaßliche Wucht dieser Massen wird schließlich an der wild sprudelnden Fontaine in der Sandgrube sichtbar.

Seit 1995 wird am Kronsberg abgesaugt. Für Christoph Vagelpohl ist klar: „Jugendliche haben hier nichts zu suchen.“

Tödliche Gefahr

Was der Mensch nicht sieht, fürchtet er wohl nicht. Doch die Gefahr ist groß, beim Schwimmen in die Tiefe gesogen zu werden. „Wenn zehn Meter unter Wasser der Sand abrutscht“, sagt Vagelpohl und macht eine Pause, „da kann keiner gegen anschwimmen.“ Die zweite Todesfalle ist der Landrutsch. In einem Umkreis von 50 bis 100 Metern kann das Ufer wegbrechen. „Der Sand kann jederzeit absacken.“

Durch unter Wasser gespannte Drahtseile besteht überdies ein Verletzungsrisiko beim Schwimmen und Springen. Sie sind notwendig, um den Saugbagger vom Land aus zu fixieren.

Die Suche geht weiter

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Vagelpohl betont, dass die Gefahr ebenso hoch ist, wenn nicht gesaugt wird: „Es ist nicht kalkulierbar, wann Sand absackt. Das kann auch noch nach zwei Jahren passieren.“ Einzäunen ließe sich das etwa 50 Hektar große Gelände nicht, allein aus Gründen des Naturschutzes.

See zieht Jugendliche an

Trotzdem kommen viele zum Baden an den Baggersee. Vagelpohl weiß, warum: „Es ist ja wie am Mittelmeer. Das ist ein Anziehungspunkt, besonders für Jugendliche.“ Auch Familien mit Kindern seien schon da gewesen. „Unverantwortlich“, kommentiert Vagelpohl dieses Verhalten. „Eltern sollten ihre Kinder unbedingt aufklären.“

In einer Saison müssten Sicherheitsleute gut hundert ungebetene Gäste ermahnen. Sie kämen regelmäßig, aber in unregelmäßigen Abständen, erklärt Vagelpohl, sonst werden die Kontrollen berechenbar. Trotzdem finden sie immer wieder ein Schlupfloch. Erst in etwa 20 bis 30 Jahren solle ein Badesee freigegeben werden, so Vagelpohl. Bis dahin gilt: Füße raus aus dem Baggerloch.

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Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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