Friesoythe /Bösel Der Dokumentarfilm „Eingeimpft“, in dem ein Paar unsicher ist, ob es sein Kind impfen lassen soll oder nicht, sorgt derzeit für Diskussionsstoff. Anlass für die NWZ, bei Experten zum Thema nachzuhören.

Ja, es sei fahrlässig, seine Kinder nicht impfen zu lassen, meinen die Kinderärzte Fridtjof Heidorn und Jörn Haupt. Haupt, der eine Praxis in Friesoythe hat, fragt sich gar, ob es nicht schon vorsätzlich ist: „Durch Nichtimpfen setzt man sein Kind dem Risiko aus, eine eigentlich vermeidbare Krankheit zu bekommen.“ Impfkritiker, darin sind sich die beiden Kinderärzte einig, unterschätzten die Gefahr von gefährlichen Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps oder Keuchhusten. Ein Grund dafür ist, dass diese Krankheiten – nicht zuletzt durch den guten Impfschutz – hierzulande kaum noch vorkommen. „Die Krankheiten werden durch den guten Impfschutz kaum gesehen“, sagt der Böseler Kinderarzt Fridtjof Heidorn. Den meisten sei nicht mehr bewusst ist, wie schwerwiegend etwa eine Masern- oder Keuchhusteninfektion verlaufen kann – häufig mit Komplikationen, die sogar zum Tod führen können.

Herdenschutz wirkt

Impfstatistik

Der Landkreis Cloppenburg weist im niedersächsischen Vergleich anhaltend gute Impfraten auf.

Bei den Schuleingangsuntersuchungen 2017 waren im Landkreis jeweils mehr als 96 Prozent der untersuchten Schulanfänger gegen die von der ständigen Impfkommission empfohlenen Krankheiten Tetanus, Diphterie, Polio, Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken geimpft.

Eine Impfung schützt in erster Linie die geimpfte Person selbst. Bei Infektionskrankheiten greift jedoch ab einer gewissen Durchimpfungsrate der sogenannte Herdenschutz: Wenn sehr viele Individuen einer Gruppe gegen eine bestimmte Erkrankung immun sind, werden dadurch indirekt auch diejenigen geschützt, die sich nicht impfen lassen können: Säuglinge, Ältere, Schwangere, Immungeschwächte oder jene, bei denen eine Impfung nicht anschlägt. Und auch jene, die sich und ihre Kinder bewusst nicht impfen lassen.

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Deshalb betrachten die beiden Ärzte empfohlene Schutzimpfungen auch als gesellschaftliche Verantwortung: Der Einzelne ruht sich auf dem Herdenschutz der Gesellschaft aus. Sind es zu viele Einzelne, kann der Schutz nachlassen und eine hochinfektiöse Krankheit sich wieder ausbreiten. Deshalb seien auch regelmäßige Auffrischungen – rund alle zehn Jahre – vorhandener Impfungen unerlässlich. „Der Solidaritätsgedanke steht im Vordergrund“, betont Jörn Haupt.

Eine interaktive Grafik zum Impfreport für Niedersachsen finden Sie hier.

Die Skepsis mancher Impfkritiker kann er durchaus nachvollziehen: Grund dafür sei mangelnde Aufklärung. „Es ist wichtig, dass Ärzte regelmäßig über Impfen und die Gefahren des Nichtimpfens aufklären. Viele Mythen können wissenschaftlich widerlegt werden.“ Die beiden Mediziner räumen zwar ein: Impfen kann durchaus Nebenwirkungen haben, mitunter auch schwerwiegende. Dennoch: „Das gesundheitliche Risiko, durch Nichtimpfen die Krankheit beziehungsweise deren gefährliche Komplikation zu bekommen, ist deutlich größer, als durch eine Impfung langfristig geschädigt zu werden“, betont Jörn Haupt.

Eine Impfpflicht betrachtet er dennoch nicht als notwendig. Wichtiger findet er, dass Eltern – von Ärzten gut beraten – sich selbst damit auseinandersetzen. Heidorn dagegen plädiert für eine Impfpflicht oder härtere Konsequenzen, etwa die Verweigerung eines Kita-Platzes für ungeimpfte Kinder.

Meldepflicht für Kitas

Seit Juli 2017 müssen Kitas Eltern beim Gesundheitsamt melden, wenn diese bei der Anmeldung für ihr Kind weder Impfungen noch eine ärztliche Impfberatung nachweisen können. Hintergrund ist, dass Kinder oftmals zu spät geimpft würden, heißt es vom Gesundheitsamt des Landkreises Cloppenburg. Dort wurden bislang 56 solcher Fälle gemeldet.

Gabi Tepe, Leiterin des Don-Bosco-Kindergartens in Friesoythe, findet diese Regelung gut und ausreichend: Oft wüssten Eltern nicht, wie wichtig Impfen sei. „Wenn jemand aber seine Kinder bewusst nicht impfen lassen möchte, müssen wir das akzeptieren. Was die Eltern letztlich tun, ist deren Entscheidung“, sagt Tepe. Ihre Verpflichtung sei es aber, zu sagen, dass es für Kinder in einer Gemeinschaftseinrichtung aufgrund der hohen Infektionsgefahr besser sei, wenn sie geimpft sind.

Auch Margret Gelhaus vom Haus für Kinder „Grüner Hof“ begrüßt die verpflichtende Impfberatung: „Eltern sind oft nicht richtig informiert über den Nutzen von Impfen und die Konsequenzen von Nichtimpfen.“ Eine Impfpflicht befürwortet sie jedoch nicht. Am Ende sei es eben doch Elternpflicht, über die Gesundheit ihrer Kinder zu entscheiden.

NWZonline.de/gesundheit
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