Garrel Die Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich hat Familie Rolfes aus Falkenberg natürlich verfolgt am Sonntag. Schließlich wurde entschieden, wer das Land ihres „dritten Kindes“, wie Sonja Rolfes liebevoll sagt, künftig regiert. Ihr „drittes Kind“ heißt Jules Dubois Holleville und ist es nur temporär. Der 15-Jährige aus Bléré absolviert über das Programm „Brigitte Sauzay“ einen dreimonatigen Schüleraustausch in der Gemeinde – wie etwa 30 weitere Schüler des Lycée Paul Louis Courier in Tours. Über ganz Deutschland verstreut leben die jungen Franzosen.

Wie verschlägt es einen 15-Jährigen ins beschauliche Falkenberg? Bei Familie Rolfes war er bereits im vergangenen Jahr zum Schüleraustausch, für eine Woche – und hatte mit Sohn Fabian (14) Freundschaft geschlossen. Auch mit Tochter Eva versteht er sich blendend. „Es ist ganz normal, dass Jules bei uns ist“, sagt die Elfjährige – das wohl größte Kompliment, das man einem Gast machen kann. Lustigerweise hat Jules eine Schwester, die ebenfalls Eva heißt und am gleichen Tag geboren wurde wie seine Gastschwester Eva. „Eine sehr nette Familie. Garrel ist schön“, schwärmt der 15-Jährige, der vorher einen dreimonatigen Schüleraustausch in Bremen absolviert hatte.

Eingelebt hat sich der Gast aus Frankreich seit Anfang April schon sehr gut. Und er hat jede Menge erlebt, das Leben in Falkenberg kennengelernt: In Erinnerung bleibt der Abtanzball am vergangenen Wochenende mit dem anschließenden Discobesuch in Cloppenburg. Tanzen habe er schnell gelernt, berichtet Gastmutter Sonja Rolfes. Den Fortgeschrittenkursus möchte er gemeinsam mit Fabian absolvieren.

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Eine Maitour hatte er mit Fabian und dessen Freunden, die mittlerweile auch seine sind, unternommen, hat Ostern mit der Familie erlebt, samt Osterfeuer, und ein Richtfest. Eine Erstkommunion steht am Wochenende an. „Deutsche feiern viel“, sagt Jules mit einem Lachen.

Deutsch sprechen und verstehen – kein Problem, lernt der Franzose die Sprache doch bereits seit fünf Jahren. Im Lycée werden Literatur, Erdkunde und Geschichte auf Deutsch unterrichtet – zehn Stunden in der Woche. In Garrel nimmt er am Unterricht an der Oberschule teil. Lieblingsfächer? „Deutsch“, klar. Und Sport. Tennis spielt Jules in der Heimat. Und hier in Nikolausdorf beim Tennisclub. Roller und Skateboard, Freunde treffen, Musik hören, vor allem elektronische – der Alltag in Frankreich ist für Jules ähnlich wie der in Falkenberg.

Einmal haben die Familien miteinander geskypt. „Ich vermisse meine Familie“, sagt Jules. Was Daheim geschieht, verfolgt er genau. So wie die Präsidentschaftswahl. Der 15-Jährige, selbst lebendes Beispiel der europäischen Idee, ist froh, dass nicht Marine Le Pen gewählt wurde.

Reiner Kramer stv. Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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