OLDENBURG Im Klassenraum ist es mucksmäuschenstill: Auf dem Bildschirm sind die Konturen eines schlagenden Herzens zu sehen. Man erkennt die Herzklappe, wie sie sich schließt und öffnet. Es ist das Herz von Phil, das die Aufmerksamkeit seiner Mitschüler erregt. Ein Lautsprecher überträgt den Ton vom Herzschlag in den Raum – naturwissenschaftlicher Unterricht mal anders.

Dr. Steffen Kosian ist Arzt für Innere Medizin und Kardiologie in Cloppenburg, hat am Gymnasium Eversten in Oldenburg Abitur gemacht. Er wohnt in Oldenburg, und eine Tochter besucht die sechste Klasse der Oldenburger Gesamtschule Helene-Lange-Schule, was den Kontakt zum Fachlehrer Harald Bogumil erklärt.

Der freut sich über den praxisbezogenen Unterricht. Die Kinder hängen Kosian an den Lippen, probieren seine kleinen Ultraschallmessgeräte aus, mit denen sie dem Herzschlag ihres Mitschülers auf die Spur kommen. Die Elf- und Zwölfjährigen sind fasziniert, nehmen ganz nebenbei mit, dass das Herz ein wunderbares Organ ist, das im Laufe eines Lebens fantastisches leistet. „Bis zum 70. Lebensjahr hat es durchschnittliche drei Milliarden Mal geschlagen“, erklärt Kosian den staunenden Kindern. 20 bis 30 Liter Blut befördert es pro Minute, wiegt durchschnittlich 300 Gramm und ist 15 Zentimeter lang. Ein Organ, das geschützt werden muss. Nikotin, Übergewicht, Alkohol, Bewegungsmangel und Stress sind schlecht fürs Herz. In seine Cloppenburger Praxis kämen vermehrt junge Frauen, die über Herzprobleme klagten. Die Jüngste sei erst 17 Jahre, die behandelt werden müsse.

Die Schulkinder sind beeindruckt und werden von zwei Kollegen des Arztes an ein Elektrokardiogramm (EKG) angeschlossen, mit dem die elektrischen Aktivitäten aller Herzmuskelfasern aufgezeichnet werden.

„Im Unterricht war das Herz-/Kreislaufsystem Thema“, berichtet Bogumil. Die Schüler sind deshalb gut vorbereitet auf den experimentellen Unterricht. „Der Lernort kommt mal zu uns“, sagt der Fachlehrer weiter. Normalerweise sei das umgekehrt, mit seiner Klasse unternehme er häufiger praxisbezogene Ausflüge.

Und auch Kosian ist zufrieden: „Die Kinder bekommen ein besseres Bewusstsein und lernen, ihren Körper anders wahrzunehmen.“ Die gute Resonanz gibt ihm recht, die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache. Wenn man so will ein Unterricht, der zu Herzen geht . . .

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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