Strücklingen Orangefarbene Namensschilder mit Fotos stehen auf den Tischen. Hinter jedem Schild sitzt passend zum Foto ein Kindergartenkind. Alle haben bunte Mappen mitgebracht, auf denen „Kinderparlament“ zu lesen ist. Und dieses kommt an diesem Tag bereits zu seiner achten Sitzung zusammen.

Im September 2017 ist erstmals ein Kinderparlament in der Kindertagesstätte St. Georg in Strücklingen von den Kindern (außer der Krippengruppe) gewählt worden. Seitdem sitzen zehn Kinder im Parlament, jeweils zwei aus einer Gruppe. Aus der „Igelgruppe“ sind das Janosch und Marvin, aus der „Entengruppe“ Johanna und Lea, aus der „Schneckengruppe“ Greta und Mia, aus der „Bärengruppe“ Luca und Selina und aus der „Maulwurfgruppe“ Juliane und Danny. Diese Mal vertritt Louisa Johanna und Lea aus der „Entengruppe“.

Begleitet werden die Kinder bei ihrer Sitzung an jedem zweiten Dienstagvormittag im Monat von Erzieherinnen. Neben den „normalen“ acht Sitzungen hat es bereits zwei Sondersitzungen gegeben. Entstanden ist die Idee eines Kinderparlaments nach einer Fortbildung der Erzieherinnen zum Thema Partizipation. Und genau Letzteres ist der Sinn dieses Gremiums: Die Kita möchte den Kindern ein Mitspracherecht ermöglichen. Was die Erwachsenen also im Großen in der Politik machen, machen hier die Kinder im Kleinen.

Es können Wünsche und Beschwerden geäußert und besprochen werden. Zudem dürfen die Kinder mitentscheiden. Dabei sollen soziale Kompetenzen wie Toleranz und Solidarität erlernt und gestärkt werden.

An diesem Tag geht es vorrangig um einen Wunsch von Mila aus der „Maulwurfgruppe“, den Danny mit ins Gremium trägt. Denn vor jeder Sitzung würde es in den einzelnen Gruppen eine Kinderkonferenz geben, wie Erzieherin Nadine Schulte sagt, die mit Erzieherin Julia Janßen und Heilerziehungspädagogin Judith Schulte an der Sitzung teilnimmt. In der Konferenz werde besprochen, ob es Beschwerden oder Wünsche von Kindern gebe, die gruppenübergreifend seien.

Auf seinen Zettel hat Danny den Wunsch von Mila gemalt, eine Erzieherin hat die Bedeutung darunter geschrieben. So wünscht sich Mila, dass die Kinder selber entscheiden dürfen, wo sie spielen möchten – zum Beispiel in anderen Gruppen oder auf der Kletterburg. Wie man mit Milas Wunsch umgehen sollte, fragt Julia Janßen. „Immer auf die Kletterburg gehen“, meint Mia. „Wenn ich in den Kindergarten komme, frage ich eine Erzieherin, ob ich auf die Kletterburg darf“, sagt Juliane.

Julia Janßen macht den Kindern deutlich, dass es 94 Kinder in der Kita gebe. „Stellt Euch vor, alle wollen auf der Kletterburg spielen, was dann?“, fragt sie und schlägt nach einer kleinen Diskussionsrunde vor, dass die Ganztagskinder, zu denen auch Mila gehört, nachmittags in anderen Gruppen spielen könnten, da diese dann nicht voll besetzt sind. Auch fragt sie, ob alle damit einverstanden sind, wenn ein Kind einmal in einer anderen Gruppe spielt, nachdem eine Erzieherin gefragt wurde. Die Hände schnellen in die Höhe: die Mehrheit ist dafür. Was entschieden wird, protokollieren die Erzieherinnen schriftlich, die Kinder halten es mit Bildern fest. Dass Protokoll wird dann auf dem Flur aufgehängt. Wenn ein Kind möchte, kann es sein gemaltes Bild dazuhängen.

Beide Entscheidungen werden die Kinder an diesem Mittwoch in ihre Gruppe tragen und in einer weiteren Konferenz besprechen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass sie anhand ihrer Protokollblätter alles gut erzählen können und kaum Unterstützung brauchen“, freut sich Nadine Schulte. Und auch den Kindern macht die Arbeit im Parlament viel Spaß. „Mir gefällt es sehr, sehr gut, denn man kann hier mitentscheiden“, sagt Mia. So soll das Parlament im nächsten Kindergartenjahr fortgeführt werden.

Tanja Mikulski Friesoythe / Redaktion Münsterland
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