Cloppenburg Montag, 11 Uhr: Auf die Minute pünktlich zum vereinbarten Termin kommt Dr. Marta Binder vor dem Cloppenburger Rathaus an. Die ehemalige Kinderärztin ist aus Rechterfeld angeradelt, wo sie bei ihrem guten Freund Otto Sandkuhl übernachtet hat: Laut ihrem Navi „Google-Maps“ braucht sie 1,17 Stunden für die 24,5 Kilometer lange Strecke, erläutert sie beim Empfang Cloppenburgs Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese (CDU).

Als Botschafterin der gemeinnützigen Stiftung Opportunity International Deutschland fährt sie seit 2013 mit dem Fahrrad kreuz und quer durchs Land und wirbt um Unterstützung. Ihr Projekt: der Aufbau von privaten Schulen für die Ärmsten der Armen in Ghana.

So sind in den vergangenen vier Jahren circa 82 000 Euro zusammengekommen, erradelt auf 7535 Kilometern. In diesem Jahr will Binder die 10 000 Kilometer vollmachen: Die Chancen, dass das klappt, stehen gut. Rund 1000 Kilometer hat Binder auf ihrer aktuell fünften Tour, die sie zunächst durch den Norden führt, schon zurückgelegt, es fehlen also noch 1500.

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Und in Zeiten, in denen sich schon viele Menschen mit Mitte 40 aufs E-Bike schwingen, radelt die Warendorferin mit einem konventionellen Tourenrad. „Ich habe ITS (das steht für „ich trete selbst“, Anm. d. Red.)“, sagt die 71-Jährige.

Solch eine sportliche Leistung will natürlich auch Deutschland größter Fahrradhersteller Derby Cycle nicht unbelohnt lassen: Pressesprecher Arne Sudhoff ist mit einem Scheck über 500 Euro ins Rathaus gekommen.

Ihr Sohn Jan hatte Dr. Marta Binder auf die gute Sache von Opportunity International aufmerksam gemacht: Der Ehemann und Vater von zwei Kindern war von 2009 bis 2011 als Pressesprecher für die Stiftung tätig. Ende November 2011 kam der damals 31-Jährige bei einem tragischen Unfall in Ghana ums Leben. Während einer Dienstreise hatte er sich im Ozean von der Hitze abkühlen wollen: Die Strömung war jedoch so stark, dass Binder die Kontrolle verlor und vor den Augen seines ghanaischen Begleiters ertrank. Ihren Einsatz für die Bildung in dem afrikanischen Land sehe sie als Vermächtnis ihres Sohnes an, sagte Dr. Marta Binder bereits im Juni 2016 bei einem Gespräch mit der NWZ in Wildeshausen.

Und der führt sie manchmal an ihre Grenzen: In den vergangenen Tagen hat sie dem Dauerregen trotzen müssen, technische Defekte in der freien Natur ziehen mitunter langes Schieben nach sich: „Neulich ist mir ein Ventil kaputtgegangen, ich war fünf Kilometer zu Fuß unterwegs.“

Doch auch das hat sie überstanden: „Vor Ort in Ghana habe ich gesehen, wie wichtig es ist, dass alle Kinder eine Chance auf eine gute Schulbildung bekommen“, erläutert Binder ihren Antrieb. Es gebe dort zu wenig öffentliche Schulen, und sofern vorhanden sind in den Klassen bis zu 70 Kinder. Vielen ist der Schulbesuch überhaupt nicht möglich. Deshalb seien privat betriebene Microschools so wichtig. Opportunity International Deutschland unterstützt diese Microschools mit Mikrokrediten, um zum Beispiel das Gebäude auszubauen oder Schulmaterialien anschaffen zu können.

Spricht’s, um sich dann schnell aufs Rad zu schwingen. Denn bis zu ihrem Etappenziel Jever sind es noch rund 100 Kilometer oder rund fünf Stunden im Sattel – sagt zumindest „Google-Maps“.

Carsten Mensing Cloppenburg / Redaktion Münsterland
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