Sedelsberg Deutliche Worte fielen am Donnerstagvormittag im Canisiushaus in Sedelsberg. Zu groß ist der Unmut über den Lehrermangel an der Grundschule Sedelsberg. In einer Diskussionsrunde sprachen besorgte Eltern mit dem Generalsekretär der CDU Niedersachsen, Kai Seefried, und dem CDU-Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley über das gravierende Problem. Beteiligt waren auch die CDU-Ratsmitglieder Gerhard Albers (Schul- und Kulturausschussvorsitzender), Theo Schmidt und Thomas Giehl, die stellvertretende Bürgermeisterin Marianne Fugel sowie Bernhard Hackstedt, Kreisgeschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Cloppenburg.

Klassen zusammengelegt

An der Grundschule Sedelsberg (Astrid-Lindgren-Schule) standen zuletzt für 140 Schüler nur Schulleiter Andreas Pranger, vier Vollzeitlehrer und eine abgeordnete Lehrkraft zur Verfügung. Eine weitere Lehrerin hatte kurz vor Beginn des neuen Schuljahres abgesagt. In jüngerer Vergangenheit hatten drei Vollzeitlehrer die Schule verlassen (Pension/krankheitsbedingt). Die zwei vierten Klassen (zusammen 30 Schüler) mussten zusammengelegt werden.

„Wir haben Not am Mann. Es ist für alle eine unbefriedigende Situation“, sagte der besorgte Vater Christian Lübbers, dessen Tochter die Grundschule Sedelsberg besucht. Ihm zur Seite standen in der Diskussion die Väter Hen­drik Glende (Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule Sedelsberg) und Oliver Roß. Es gehe hier um die Grundlagenbildung für die Kinder, beklagte Lübbers die mangelnde Unterrichtsversorgung. „Es ist ein hausgemachtes Problem, das nicht von heute auf morgen gekommen ist. Wir wollen als Eltern eine kurzfristige Lösung haben“, betonte Lübbers. Auch die Gemeinde müsse ihren Teil dazu beitragen, indem sie z.B. dafür sorgt, dass die Schulräumlichkeiten in einem vernünftigen Zustand sind und die Ausstattung stimmt, so Lübbers. Das würde die Grundschule Sedelsberg auch attraktiver machen für junge Lehrer.

Die Landespolitik, „aber auch wir als Fraktion sind gefordert“, betonte Bley. „Die Situation kann so nicht bleiben.“ Man könne zu 100 Prozent die Forderungen der Eltern unterstützen. Man habe sich bereits um Lösungen bemüht, so Bley. Doch „was im letzten halben Jahr passiert ist, ist ein Desaster. Die Antworten der Landesschulbehörde waren absolut beschämend.“ Da könnten auch vorübergehende Abordnungen von Lehrern nicht helfen.

Kai Seefried, der im Rahmen seiner 360 Grad-Niedersachsen-Tour zu Gast in Sedelsberg war, stimmte der Kritik zu. Auch er sei verärgert. In Niedersachsen sei in den vergangenen Jahren keine konsequente Einstellungspolitik von Lehrern für die rund 3000 Schulen betrieben worden. Jungen Grundschullehrern könnte zudem auch nur schwer vermittelt werden, dass sie trotz des mittlerweile selben Ausbildungsumfangs (erhöhter Praxisanteil) in einer niedrigeren Besoldungsstufe als die Gymnasiallehrer lägen. Seit 2013 sei die Unterrichtsversorgung kontinuierlich gesunken. Rund eine Million Unterrichtsstunden fänden derzeit nicht statt in Niedersachsen, sagte der ehemalige schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Kontakt zu Kultusminister

Die CDU wolle sich Ende August mit allen Bildungsvertretern in Niedersachsen und den Gewerkschaften zusammensetzen, um Lösungen zu finden. Vier Kernpunkte gibt es. So wolle man zum Beispiel den Quereinstieg in den Schuldienst flexibilisieren, es soll zudem eine Einstellungsgarantie für fertige Grundschullehrer in Niedersachsen geben. „Wir brauchen jeden Lehrer in den nächsten Jahren“, so Seefried. Eingeplante Landesgelder für nicht besetzte Lehrerstellen sollten den jeweiligen Schulen zur Verfügung gestellt werden, so dass sie selbst zusätzliches Personal einstellen können. Zudem müsse ein finanzieller Anreiz für Lehrer geschaffen werden, wieder mehr zu arbeiten.

Für die Grundschule Sedelsberg will sich Seefried gemeinsam mit Bley einsetzen. „Wir wollen mit dem Kultusminister ein Gespräch führen.“ Neben Grant Hendrik Tonne wolle man sich auch mit der Landesschulbehörde zeitnah austauschen. Es gehe darum, schon kurzfristig konkrete Einzellösungen zu finden, um Abhilfe bei der Unterrichtsversorgung/dem Lehrermangel zu schaffen.

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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