PETERSDORF Der letzte Gottesdienstbesucher verlässt gerade die Kirche. Vorne räumen die Küsterinnen Gaby Nording und Regina Potthast den Altar ab und löschen die Kerzen. Obwohl die Messe schon längst beendet ist, tönt immer noch das Es-Dur Präludium von Johann Sebastian Bach durch die Petersdorfer Kirche. An der Orgel sitzt Silvius von Kessel, Organist im Dom St. Marien in Erfurt. Nach neun Minuten erklingt der letzte Akkord des Werkes vom großen Orgelkomponisten Bach. Von Kessel lächelt „seine erste Orgel“ an. Eigentlich hatte er nur seine Mutter besuchen wollen, die immer noch in Petersdorf lebt. Spontan sprang er dann als Organist an Christi Himmelfahrt in Petersdorf ein. „Es ist mit vielen Erinnerungen verbunden, hier zu spielen. Fast ein wenig romantisch“, erklärt der ehemalige Petersdorfer. Obwohl er die Kirche anders in Erinnerung hat: „Heute ist sie so klein. Früher, als Kind, kam mir das hier alles so groß vor.“

Studium in Essen

Seinen ersten Orgelunterricht bekam er bei der Grundschullehrerin und Organistin Hilde Bramlage. „Sie wollte ich immer heiraten“, erinnert sich von Kessel schmunzelnd, „ich habe sie als Lehrerin wirklich sehr gemocht.“

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Nach dem Abitur studierte Silvius von Kessel Kirchenmusik in Essen. Er legte das A-Examen für Kirchenmusik ab und erhielt ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Dieses Stipendium führte den jungen Organisten nach Paris. „Ein Orgelmekka für Organisten“, sagt er über die französische Hauptstadt. Drei Jahre lernt er bei Olivier Latry, einem der vier Titularorganisten an der Großen Orgel der Kathedrale Notre-Dame in Paris. „Ich habe in dieser Zeit nur Orgelspielen geübt. In Deutschland besteht das Musikstudium aus vielen verschiedenen Disziplinen. In Paris konnte ich mich nur auf das Spielen konzentrieren“, so von Kessel.

Während er noch in Paris studiert, schreibt er erste Bewerbungen für Organistenstellen in Deutschland, scheitert aber zunächst. Einen konkreten Plan B, neben der Kirchenmusik, gab es für ihn aber nicht. Bei einer Reise durch Deutschland kam der damals 29-Jährige nach Erfurt. „Wow, hier zu arbeiten wäre doch toll“, habe er damals gedacht. Zufällig traf er den Domorganisten, der ihn auf der Domorgel spielen ließ. Er erklärte von Kessel, dass er im nächsten Jahr in den Ruhestand gehen würde und von Kessel wurde sein Nachfolger. Das war vor fast 18 Jahren.

Fünf Kinder

Neben seiner Tätigkeit als Domorganist arbeitet von Kessel auch als Honorar-Professor an der Universität Weimar. „Ich unterrichte dort Studenten an der Orgel“, erklärt er. Außerdem ist der 47-Jährige Orgelsachverständiger im Bistum Erfurt, Vorsitzender der Thüringer Bachwochen und Mitinitiator des Orgelwettbewerbs Bach-List in Erfurt, Weimar und Merseburg.

Der Musiker ist Vater von fünf Kindern im Alter von drei bis elf Jahren: „Unser Quintett möchten wir nicht mehr missen.“

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