Friesoythe Es war ein starkes Bild. Weiße T-Shirts mit dem Aufdruck „Realschule Friesoythe“ und in der Mitte das Wappen der Stadt Friesoythe – so präsentierte sich ein Großteil des Lehrerkollegiums der Realschule am Montagabend auf der Schulausschusssitzung im Friesoyther Rathaus. Schon vor Beginn der Sitzung nahmen die Lehrkräfte an der Sprechstunde von Bürgermeister Sven Stratmann teil. „Da wurde es ganz schön eng im Büro“, sagte der Rathaus-Chef.

Eng wurde es dann auch im Sitzungssaal. „Wir freuen uns, dass heute so viele Zuhörer hier sind. Und wir wissen auch, dass die Realschule nicht ganz glücklich ist mit der neuen Raumsituation“, sagte Erste Stadträtin Heidrun Hamjediers bei der Vorstellungen der Ergebnisse aus dem Arbeitskreis. Dieser hat sich mit dem Umzug der Ludgerischule in das Gebäudeensemble der Dr.-Niermann-Straße beschäftigt. „Die Realschule erhält die Räumlichkeiten im westlichen Teil, die Ludgerischule im östlichen Teil des Gebäudekomplexes. Dazwischen soll ein neuer Zwischenbau entstehen, in dem lediglich die neue Mensa gemeinsam genutzt wird. Ansonsten sind die Schulen getrennt“, gab Hamjediers die Ergebnisse der fünften Arbeitskreissitzung bekannt.

„Um erst einmal mit Gerüchten aufzuräumen: Die Realschule soll nicht abgeschafft werden, nur weil sie ein wenig beschnitten wird. Das bei so einem Umzug nicht jeder ganz mit der Raumlösung zufrieden ist, ist normal. Doch wir müssen jetzt Nägel mit Köpfen machen, sonst geht es in diesem Jahr nicht mehr los“, sagte Dr. Matthias Lamping (CDU). „Im Bestand stößt man immer an seine Grenzen. Doch wir müssen jetzt in die Genehmigungsphase kommen, da wir im Schulbereich noch zahlreiche weitere Sachen vor der Brust haben“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Geuter.

Nach den neuesten Plänen soll es keinen weiteren Anbau geben – dafür aber eine neue Fassade. Auch der Hörsaal der Realschule, der zunächst erhalten bleiben sollte, soll in einen Fachunterrichtsraum umgestaltet werden. Auch ist für die beiden Konrektoren lediglich ein großes Büro vorhanden und nicht zwei kleine. Ebenfalls wird es für die Realschule nur noch einen PC-Raum geben, dafür soll ein weiterer mit Laptops ausgestattet werden. „Wir brauchen zwei feste PC-Räume in der Realschule. Mit Tablet kann man nicht so effizient arbeiten wie mit einem richtigen PC“, forderte Gerd Lübbers, Lehrer an der Realschule. Dem entgegnete Matthias Lamping: „Irgendwann wird es nur noch mobile Computer geben. Mit Laptops ist alles genausogut zu bewerkstelligen.“

Weiterer Knackpunkt für das Kollegium der Realschule ist die Pausenhalle. Nach dem Umzug bleibt der Realschule nur noch eine Halle anstatt zwei Hallen. „700 Schüler auf 500 Quadratmeter – das wird nicht gehen“, sagte Lehrerin Anja Lübbers. Erste Stadträtin Hamjediers versicherte, dass es Möglichkeiten gebe, beim neuen Zwischentrakt den Hof zu überdachen, um so mehr Fläche für die Pause zu generieren. Bürgermeister Sven Stratmann machte weiterhin deutlich, dass der Gesprächsfaden auch nach dem Baustart nicht abreißen werde. „Natürlich sind die Raumansprüche des Kollegiums der Realschule berechtigt. Doch es ist noch nichts in Stein gemeißelt, was die Raumaufteilung angeht“, so Stratmann.

Ratsherr Hubert Schrand (SPD) fühlte sich derweil von dem Zahlenwerk der letzten Arbeitskreissitzung etwas überrumpelt. „Als Mitglied des Schulausschuss fühle ich mich etwas schlecht informiert. Denn die Beschlussvorlagen waren erst Samstagabend im Ratsinformationssystem einzusehen. Ebenfalls fehlen mir die Stellungnahmen der Schulleiter“, so Schrand. Auch Helmut Strey, beratendes Ausschussmitglied für den Beirat für Menschen mit Beeinträchtigungen hätte gerne an den Arbeitskreissitzungen teilgenommen. „Wir haben aber in jedem Punkt an die Barrierefreiheit gedacht. Fahrstühle werden ebenfalls eingebaut“, so Hamjediers.

Mit zwölf Ja-Stimmen und drei Enthaltungen wurde beschlossen, dass die Planungen mit einem Zwischentrakt weiter verfolgt werden sollen und in den Sommerferien dieses Jahres mit dem Bau gestartet werden soll.

Kommentar von Heiner Elsen: Dicke Brocken vor der Brust

Die gute Nachricht: An der Grundschule Neuscharrel geht es jetzt erst einmal weiter. Die schlechten Nachrichten: Auf die Schullandschaft in der Stadt Friesoythe kommen in den nächsten Jahren sehr schwere Aufgaben zu. Allein fünf Millionen Euro wird der Umzug der Ludgerischule neben die Realschule kosten. Gratis kommen die nicht ganz so begeisterten Lehrer der Realschule oben drauf. Diese machten ihrem Ärger am Montagabend Luft – sowohl öffentlich im Rahmen der Sitzung als auch mit teils sarkastischen aber leisen Kommentierungen während der Vorstellung der Planungen.

Und als wäre dies nicht schon genug, steht auch noch der Neubau der Gerbertschule auf der Agenda, die Raumnot an der Heinrich-von-Oytha-Schule ist groß und auch an der Marienschule muss zum nächsten Schuljahr wohl noch ein Container aufgestellt werden. Die Stadt Friesoythe hat in Sachen Bildung viele dicke Brocken vor der Brust.

Schnelle Entscheidungen sind aktuell also wichtig – der Ausschuss hat richtig gehandelt. Jetzt gilt es, diese Geschwindigkeit beizubehalten, damit in die Schullandschaft wieder Ruhe einkehrt.


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Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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