Friesoythe Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Friesoythe haben mit Wattestäbchen den Kampf gegen Blutkrebs aufgenommen und sich typisieren lassen. Die angehenden Abiturienten erfuhren, inwiefern eine Knochenmarkspende Leben retten kann. Clara Bigalke von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) klärte dabei in einem Vortrag über Typisierung und Spende auf.

Organisiert hatten die Typisierungsaktion die Schüler der Schulsanitätsdienst-AG um Lehrerin Cornelia Meyer. Etwa 170 Schüler des zehnten bis zwölften Jahrgangs würden die Voraussetzung zur Typisierung erfüllen. „Ich gehe davon aus, dass es auch alle machen“, sagt Cornelia Meyer. Als Knochenmarkspender kommt jeder im Alter von 17 bis 55 Jahren in Frage.

Der am häufigsten festgestellte Krebs bei Kindern sei Blutkrebs, so Clara Bigalke. Insgesamt erhält alle 15 Minuten ein Patient – ob Erwachsener oder Kind – in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Oft kann dann nur eine Stammzellenspende helfen. Dafür nahmen die Gymnasiasten jeweils dreimal ein Stäbchen in den Mund, um einen Abstrich von ihrer Wangenschleimhaut zu nehmen. Im Labor werden mithilfe des Speichels die Gewebemerkmale der Schüler untersucht.

„Doch jeder zehnte Blutkrebspatient sucht vergeblich einen passenden Spender“, erklärt Bigalke: „Die Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger müssen zu 100 Prozent übereinstimmen. Es wird also ein ,genetischer Zwilling’ gesucht.“ Das schwierige dabei, einen Spender zu finden, ist, dass es 50 Millionen verschiedene Kombinationen dieser Merkmale gibt. Natürlich schaut man bei einem Patienten auch in dessen Familie nach potenziellen Spendern. In zwei von drei Fällen käme das aber nicht in Frage.

Michael Stallo aus Friesoythe hat die Erfahrung des Spendens schon gemacht und gibt sie an die Schüler weiter: „Da rauschen einem viele Gedanken durch den Kopf.“ Im Jahr 2009 kam der heute 36-Jährige als Stammzellenspender für eine 60-jährige Amerikanerin in Frage. „Ich konnte mich erst nicht mit dem Gedanken anfreunden, meine Zellen zu spenden“, gibt Stallo offen zu. Letztlich entschied er sich aber doch, der Frau Hoffnung zu geben, weiterzuleben. Leider konnte die Spende den Tod der Frau nicht verhindern.

Allen aktiven Stammzellenspendern rät der Friesoyther, vor dem Eingriff möglichst viele Bananen zu essen: „So hat man einen Puffer an Kalzium.“ Die Stammzellenspende findet in Form einer peripheren Stammzellsammlung aus dem Blut oder in Form einer Knochenmarkentnahme aus dem Beckenkamm statt. Verläuft die Transplantation erfolgreich, haben Spender und Empfänger nach zwei Jahren die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen. Vorher ist das aufgrund der Anonymitätsfrist nicht möglich.

Auch Schülerin Angelina Pik trug sich in die Knochenmarkspenderdatei ein. Sie könnte eines Tages als Stammzellenspenderin aktiv werden. Die 17-jährige Scharrelerin ist genau wie ihre Mitschüler überzeugt von der Schulaktion: „Auch ich möchte meinen Beitrag leisten, Menschen zu helfen.“

Die Chance, am Ende tatsächlich zu spenden, liegt nur bei fünf Prozent. Es ist aber die einzige Chance des Patienten auf Hoffnung.

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Niklas Grönitz Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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