Friesoythe Der Brexit, also der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU, wird nicht nur große, globale Auswirkungen haben. Auch im Kleinen hat die Brexit-Debatte Folgen, die man vermutlich in dieser Form aber wohl nicht auf dem Zettel hatte. Eine Folge ist zum Beispiel, dass die Berufsbildenden Schulen Friesoythe seinen Schülern künftig kein berufliches Praktikum in England anbieten kann. Dabei ist das vor sieben Jahren ins Leben gerufenen Zusatzangebot für Auszubildende ein voller Erfolg.

Doch damit jährlich rund 20 Friesoyther BBS-Schüler ein dreiwöchiges Berufspraktikum auf der Insel machen können, ist die Schule auf Fördermittel angewiesen. Dieses Geld kommt in Form des Projektes „Erasmus+“ und somit von der EU – und die EU hat die Förderfähigkeit für diesen Englandaufenthalt ab diesem Jahr gestrichen.

Dieses Jahr hatten die Schüler noch Glück. Eigentlich lag der Zeitpunkt der Reise für die jungen Leute im Alter von 18 bis 23 Jahren knapp außerhalb der Förderfähigkeit. „Diese Nachricht kam für uns sehr kurzfristig, daher war die Zeit vor der Tour sehr turbulent“, sagte Studiendirektor Lars Murra. Doch dann sei der Zeitraum doch noch verlängert worden. So stand der Fahrt nichts im Wege.

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Die 22 angehenden Industriekaufleute und Kaufleute für Büromanagement, die in den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Friesoythe unterrichtet werden, verbrachten ihre Osterferien in Bournemouth an der Südküste Englands. Drei Wochen lang arbeiteten sie dort in Betrieben und waren in Gastfamilien untergebracht. Begleitet wurden sie von Lehrerin Vera Karlin. Das Praktikum ist für die Schüler Teil ihrer Zusatzqualifikation „IHK-Fachkraft Im-/Export“ oder „Kaufleute für internationale Geschäftstätigkeit“. Beides wird von den BBS Friesoythe angeboten.

Wie lohnenswert die dreiwöchige Reise für sie war, berichteten die Schüler am Mittwoch in einem Pressegespräch. „Man hat viel über die Arbeitsweise in England und auch über die Menschen gelernt“, sagte beispielsweise Niklas Heuermann (23) aus Beverbruch. Er machte ein Praktikum bei einer Firma, die alte Hotels aufkauft, umbaut und die Zimmer vermietet. Seine Tätigkeit habe ihm gut gefallen, vor allem der direkte Kontakt zu den Mietern. Zwar sei die Verständigung anfangs etwas schwierig gewesen, „doch das hat sich schnell gelegt und nach einer Woche habe ich einfach drauf los geredet“.

Auch Mirco Bette (21) aus Sedelsberg war begeistert von seinem Praktikum. Er war in einer Jobvermittlung für IT-Berufe tätig. „Das war eine tolle Zeit. Besonders beeindruckt war ich von der modernen Büroarbeit und der Umsetzung der work-life-balance.“ Alle in dem siebenköpfigen Team hätten mit viel Humor, aber gleichzeitig auch mit einer ungeheuren Effizienz gearbeitet.

Die 20-jährige Jessica Dumstorff aus Friesoythe machte ihr Praktikum bei einer Online-Plattform, auf der Privatpersonen ihre Wohnung als Unterkunft anbieten. Sie kümmerte sich vor allem um die Werbung. „Ich hatte zwar Vorgaben von meinem Chef, als Praktikantin aber erstaunlich viel Freiraum“, erzählte Dumstorff. Die Engländer habe sie als nett und zuvorkommend erlebt.

Das Thema Brexit sei übrigens in England selber kein großes Thema gewesen, wie alle Teilnehmer übereinstimmend sagten. Die Entwicklung werde in dem Land zwar verfolgt, aber die Engländer seien diesbezüglich sehr unaufgeregt gewesen, schildern die Friesoyther ihre Eindrücke.

Verzichten müssen die BBS-Schüler auf das Berufspraktikum im englischsprechenden Ausland trotz Brexit-Debatte übrigens nicht. Die Organisatorinnen dieser Fahrten, die Lehrerinnen Birgit Hermes und Mareike Hagen, haben bereits sowohl Fördergelder aus dem „Erasmus+“-Topf eingeworben (stolze 75 000 Euro), als auch einen alternativen Ort gefunden. In den Jahren 2020 und 2021 können insgesamt 46 Schüler ein Praktikum in Betrieben in Irland machen, genauer in Cork. Im September werden zwei, drei Lehrer die neuen Partner im Süden Irlands besuchen und mit ihnen die Aufenthalte der Schüler planen.

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Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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