Bösel Die kleine Rita ist ungehorsam. Anstatt abends ins Bett zu gehen, wie ihre Mutter es ihr aufgetragen hat, setzt sie sich vor den Fernseher und sieht sich Gruselfilme an. Das hat Folgen: Rita schläft ein und hat einen fürchterlichen Albtraum. „Und die Moral von der Geschicht’“, beendete Prof. Dr. Hermann Gelhaus die plattdeutsche Erzählung, „wenn man nicht auf seine Mutter hört, folgt die Strafe auf dem Fuß.“ Die Geschichte von der ungehorsamen Rita war eine von vielen, die der emeritierte Sprachwissenschaftler am Mittwoch 75 Schülern des vierten Jahrgangs der St.-Martin-Schule in Bösel vorgelesen hat.

Gespannt lauschten die Kinder den lustigen, spannenden und lehrreichen Erzählungen des Professors. Maria Gehlenborg, Lehrerin an der Grundschule und Schul-Obfrau für die plattdeutsche Sprache, hatte „De plattdüütsche Vörlääsedag“ ausgerufen und als besonderen Gast das Böseler Urgestein für die Schule gewinnen können. Gelhaus, dem als Mitglied der Vereinigung für niederdeutsche Sprache und Literatur in Bösel (Borsla) die plattdeutsche Sprache besonders am Herzen liegt, wusste mit seiner angenehmen Art und einer Vielzahl interessanter Geschichten den Nachwuchs in seinen Bann zu ziehen.

Die meisten Schüler konnten den Ausführungen in der Heimatsprache problemlos folgen. „Viele bekommen die Sprache von zu Hause mit, sei es über Großeltern, Eltern oder Geschwister“, erklärte Maria Gehlenborg. In einer von ihr geleiteten Plattdeutsch-AG wird die Sprache auch in der Grundschule vermittelt. Zahlreiche Schilder mit plattdeutschen Hinweisen zieren die Flure der Schule, Rollenspiele und kleine Theaterstücke in der AG vermitteln die Sprache auf eine unterhaltsame Art und Weise. „Es ist schön, wenn das Plattdeutsche an die jüngere Generation weitergegeben wird“, meinte auch Gelhaus.

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Neben einem großen Fundus an Erzählungen streute der Sprachwissenschaftler zudem Gedichte und Lieder ein. Beim „Plattschnackersong“ zur Melodie von „Hänschen klein“ zeigten sich alle Schüler textsicher und sangen begeistert mit: „Ick schnack Platt, du schnackst Platt, wi schnackt Platt up usen Padd.“

Zum Abschluss bekam Gelhaus von Maria Gehlenborg einen großen Blumenstrauß und Worte des Dankes. An die ungewöhnliche Unterrichtsstunde werden die Kinder „hoffentlich gerne zurückdenken“, sagte der Professor zum Abschied.

Andreas Heizmann Volontär / NWZ-Redaktion
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