Cloppenburg Sie ließen 1938 alles hinter sich, verkauften ihr Haus in Cloppenburg, reisten nach Holland und flohen von dort aus im Januar 1938 nach Kuba. Im Frühjahr 1940 erhielten Julius Frank, seine Ehefrau Selma (geborene Lazarus) und ihr Adoptivsohn Günther ein Einreisevisum in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Das Schicksal der jüdischen Familie steht an diesem Freitag im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Judenverfolgung in Cloppenburg. Das Clemens-August-Gymnasium (CAG) hat die Veranstaltung in diesem Jahr vorbereitet, die von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Oldenburger Münsterland initiiert wurde. Sie steht unter dem Motto „Wenn Steine fallen“.

Dass die Schüler sich intensiv auf die Gedenkveranstaltung vorbereitet haben, an deren Ende sie die Verantwortung für die Vorbereitung an die Berufsbildenden Schulen Cloppenburg weiter geben, erläutert Lore Lübbers, Fachobfrau für Geschichte am CAG. „Nach der Übergabe des Leuchters am 9. November 2017 startete das CAG seine Denkaktionen mit der Ausstellung „Wir Kinder von Auschwitz“ und einem Vortrag durch den Initiator, Alwin Meyer. Vorausgegangen war ein Zeitzeugengespräch der Oberstufe mit der mittlerweile verstorbenen Dr. Dagmar Lieblòva.“

Im Seminarfach Geschichte sind Präsentation zum jüdischen Leben gehalten worden. Auch wurden Seminararbeiten verfasst, eine Studienfahrt nach Krakau sowie ein Besuch in Auschwitz unternommen. Die Gedenkveranstaltung zum 9. November hat eine Arbeitsgruppe aus Schülern und Lehrern gemeinsam vorbereitet. Den Jugendlichen sei besonders das schicksalhafte Element der Lebenswege der Juden aufgefallen. „Als Symbol wählten die Schüler die ,fallenden Steine’ aus, die das Schicksalhafte der Lebenswege, aber dennoch das determinierende System der nationalsozialistischen Verfolgung verdeutlichen sollen“, erläutert Lübbers die Symbolik.

Den Schülern sei es wichtig gewesen, dass die von ihnen mitgestaltete Gedenkveranstaltung eine breitere schulinterne und auch darüber hinaus zielende Öffentlichkeit erhalten sollte. Somit sei die Idee geboren worden, einen größeren Kontext zu schaffen: Bereits am Mittwoch gab es einen Vortrag zum „Jüdischen Leben heute“ von Bodo Gideon Riethmüller, Abteilungsleiter des Landesverbands der jüdischen Gemeinden Niedersachsen. Im Anschluss diskutierten die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10 und 11 mit Riethmüller über „Antisemitismus heute“.

Die Gedenkveranstaltung beginnt am Freitag, 9. November, um 17 Uhr in der evangelischen Kirche an der Ritterstraße. Die Feier solle „wachrütteln und dazu aufrufen, für ein tolerantes und friedliches Miteinander ein- und gegen jede Form von politischem Extremismus, Ausgrenzung und Hetze aufzustehen“, lädt Schulleiterin Annette Ovelgönne-Jansen ein.

Schüler aus dem 12. Jahrgang haben Biografien von den Opfern der Judenverfolgung ermittelt und stellen diese kurz vor. Im Anschluss werden Schüler aus dem Jahrgang 9 die Vorgänge zur Reichspogromnacht in Cloppenburg vorstellen. Eine Musikgruppe untermalt die Darstellung. Nach dem Schweigemarsch zum Gedenkstein an der Synagoge und den Mahnworten von Karl Sieverding, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, und einem Stadt-Vertreter wird es einen Imbiss im Gemeindehaus geben, den Schüler des Seminarfaches Geschichte vorbereitet haben.

Mareike Wübben
Volontärin, 3. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion

Weitere Nachrichten:

Clemens-August-Gymnasium | CAG

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.