BöSEL Es hat fast etwas von einer Geheimsprache, wenn sich die Lehrerinnen Christina Höne und Birgit Lamping in der Haupt- und Realschule Bösel etwas auf Plattdeutsch zurufen. Denn verstehen werden um sie herum die wenigsten, was sich die Frauen gerade sagen. „Immer weniger Schüler sprechen Plattdeutsch“, stellt Christina Höne fest. Das ist ein Grund, warum die 29-Jährige in Bösel Kindern die Sprache beibringt. Der andere Grund: Sie selbst schnackt liebend gern Plattdeutsch.

Kaum Hochdeutsch

Erst seit einem Dreivierteljahr arbeitet Christina Höne an der Haupt- und Realschule in Bösel. Sie kommt aus Vechta und ist mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen. „Vor allem mit meinem Großvater und meinem Vater spreche ich Platt.“ Als sie in der Stellenausschreibung für Bösel gelesen habe, dass jemand mit Plattdeutsch-Kenntnissen gesucht wird, sei klar gewesen, dass sie den Schülern hier Plattdeutsch beibringen will.

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Auch bei Birgit Lamping wird Zuhause kaum Hochdeutsch gesprochen. Die 41-Jährige organisiert seit 1997 an der Schule den plattdeutschen Lesewettbewerb. In einer Plattdeutsch-AG versammeln sich zudem einmal wöchentlich neun Schüler, um die Minderheitensprache zu lernen. Dann werden Texte gelesen, Sketche und kurze Theaterstücke einstudiert. „Das ist lustig“, sagt Alina Witzke. Die Zehnjährige ist Russlanddeutsche, bei ihr Zuhause spricht niemand Plattdeutsch. Aber Alina will Platt sprechen können: „Die Sketche machen so viel Spaß.“ Kürzlich hat die AG bei einem Heimatabend der Borsla Gesellschaft Theater gespielt: Die Bremer Stadtmusikanten wurden auf Plattdeutsch aufgeführt.

„Plattdeutsch ist nicht immer nur ein Witz“, stellt Christina Höne klar. Die Sprache sei lustig, es lasse sich hervorragend schimpfen und Pointen auf den Punkt bringen. Aber: „Man kann damit auch ernsthafte Themen ansprechen.“ Märchen könnten auf Plattdeutsch gespielt werden.

Spaß am Unterricht

„Im Unterricht kann nicht alles lustig sein“, so Höne – auch wenn die Schüler das natürlich anders sehen. Christina Höne und Birgit Lamping würden die Heimatsprache gerne noch viel mehr Kindern beibringen. „Hier in Bösel stirbt Platt nicht aus“, verspricht die 41-Jährige.

Merve Moussa ist 14 Jahre alt und besucht die 7. Klasse: „Zuhause spricht niemand Platt. Aber mir macht das Spaß. Ich übe sogar mit meinen Freunden.“ Christina Pfeiff (14) wurde in der Nähe von Moskau geboren: „In der ersten Klasse in Deutschland habe ich nur Russisch gesprochen.“ Eine Übersetzerin habe ihr im Unterricht geholfen. Deutsch musste sie lernen, um sich zurecht zu finden. Plattdeutsch lernt das Mädchen freiwillig. Einfach, weil sie Lust darauf hatte.

Das nächste Ziel der Plattdeutsch-AG: Eine Aufführung bei der Weihnachtsfeier der Schule. Mit ihren Schülern sehen sich die Lehrerinnen auf dem richtigen Weg – so bleibt Plattdeutsch lebendig.

Anja Biewald Redakteurin / Lokalredaktion
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