CLOPPENBURG CLOPPENBURG - 40 Jahre lang hat er am Cloppenburger Amtsgericht das Protokoll geführt. Heute wird Franz Niehaus (62) in den Ruhestand verabschiedet. Am 2. Mai 1965 war der gebürtige Cloppenburger in den Justizdienst eingetreten. Seither ist er durchgehend am Cloppenburger Amtsgericht tätig gewesen. Als Protokollführer in Strafsachen hat Niehaus in seiner langen Dienstzeit die Veränderungen in der Justiz live miterlebt. „Früher saßen wir noch auf Küchenstühlen“, erinnert er sich. Es war die Zeit, als die Protokolle nicht am Computer, sondern an einer einfachen Schreibmaschine getippt wurden.

Franz Niehaus hat sie alle gesehen: Richter vom „alten Schlag“, deren Sitzungen sich bis in die Abendstunden erstreckten, unschuldige Angeklagte und Zeugen, die gelogen haben, dass sich die Balken biegen. „Zweimal musste ich sogar konkret eingreifen“, erinnert sich Niehaus an renitente Angeklagte, die sich auf Richterin und Staatsanwältin stürzen wollten. Dank des beherzten Eingreifens des Protokollführers war aber nichts Ernsthaftes passiert.

Hätten diese Zwischenfälle dann auch mehr witzigen Charakter gehabt, seien die Inhalte der Strafprozesse schon eher unter die Haut gegangen. „Manchmal hatte ich Mitleid“, kann sich Niehaus an viele Opferfamilien erinnern, die durch eine fahrlässige Tötung ihre Kinder verloren hatten. 30 Obduktionen wohnte Niehaus bei – in der Anfangszeit lag die Zuständigkeit dafür bei den Amtsgerichten. „Da wurde noch auf einem Küchentisch obduziert“.

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In den Bergen Tirols war 2002 Franz Niehaus der Gedanke gereift, die damals noch geltende Altersteilzeitregelung in Anspruch zu nehmen und drei Jahre vor dem offiziellen Ende seiner Dienstzeit jetzt in die „passive Altersteilzeitphase“ einzutreten.

Auf seinen Ruhestand freut sich der 62-Jährige, „auch wenn ich Wehmut verspüre“, meint Niehaus, der als äußerst pflichtbewusst beschrieben wird. Er wolle nun mit seiner Ehefrau viel reisen, Fahrrad fahren und spazieren gehen. Das sei auch gut für seinen Rücken, so der 62-Jährige, der vor einigen Jahren am Rücken operiert worden war. Während einer Feierstunde heute im Amtsgericht wird Niehaus verabschiedet.

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