Friesoythe In Wahrheit dauerte die ganze Aktion nur wenige Minuten – das Nachstellen der Tat für das Fernsehen hingegen hat ganze zwei Drehtage in Anspruch genommen. „Das ist schon ein komisches Gefühl, sich selbst zu spielen. Die Erkenntnis davon ist, dass ich nicht der geborene Schauspieler bin“, sagt Timo Plaß im Gespräch mit unserer Redaktion mit einem Schmunzeln. In seiner Heimatstadt Friesoythe ist er besser bekannt unter seinem Geburtsnamen Timo Läken. Seit mehreren Jahren lebt er im Münsterland. Im Februar 2022 geschah vor seinem Büro in Ahaus das Unfassbare – ein Überfall auf einen Juwelier am helllichten Tag. Dank Timo Plaß konnten die Täter noch am selben Tag gestellt werden. Dafür ist er jetzt für den Preis der ZDF-Kultsendung „Aktenzeichen XY“ nominiert – und durfte in einem nachgestellten Film selbst vor die Kamera.

Schnelles Handeln

„Man konnte zu dem Zeitpunkt nicht viel überlegen. Vom Grundsatz her war mir klar, dass ich jetzt helfen muss“, sagt der ehemalige Pfarrer, der jetzt verheiratet ist und drei Kinder hat. Mitte Februar saß er als Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands gerade in seinem Büro in Ahaus, als er aus dem benachbarten Juweliergeschäft auf einmal laute Geräusche hörte. Um 9.30 Uhr betraten zwei bewaffnete Männer den Laden, zerstörten Vitrinen und starteten den Überfall. „Ich hab sofort mein Handy genommen und die Polizei angerufen“, sagte Plaß im vom ZDF produzierten, nachgestellten Film. Danach machte er sich auf den Weg zum Geschäft.

Zur gleichen Zeit kam Mohammad Rezai am Tatort vorbei und begann wie Plaß sofort Hilfe zu leisten. Während der ehemalige Friesoyther mit seinem Handy Kontakt zur Polizei hielt, hielt Rezai zusammen mit einem weiteren Helfer die Tür des Ladens zu, damit die Täter mit ihrer Beute nicht entkommen konnten. Nach kurzer Zeit ließen die Helfer die Täter aber raus, da sie mit einer Waffe auf die mutigen Zeugen zielten.

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„Danach nahm ich zusammen mit meinem Helfer die Verfolgung auf. Mir war jetzt klar, dass sie geschnappt werden müssen“, so Plaß. Auf der Flucht ließen die Täter ihre Beute zurück und feuerte sogar Schüsse in Richtung der Verfolger ab. Bei der Waffe handelte es sich aber lediglich um eine Schreckschusspistole. „Ohne meinen Mithelfer Mohammad Rezai hätte aber alles nicht geklappt. Er konnte als ehemaliger Wettkampfboxer einen Täter überwältigen“, erzählt der ehemalige Friesoyther. Den anderen Täter konnte die Polizei im Laufe des Tages ebenfalls stellen. Auch das Diebesgut – Schmuck im Wert von 100 000 Euro – konnte komplett sichergestellt werden.

„Als sie Zeugen eines Verbrechens wurden, arbeiteten sie zusammen – und zwar wie ein eingespieltes Team“, sagte ZDF-Moderator Rudi Cerne am Mittwoch in der Aktenzeichen-Sendung. Unter zahlreichen Einsendungen hat es die Helfer-Geschichte der beiden Männer zur Nominierung geschafft. Noch im Herbst wählt die XY-Jury drei Preisträger aus – auf diese wartet jeweils ein Preisgeld von 10 000 Euro.

Besondere Freundschaft

Noch heute hat Timo Plaß Kontakt zu seinem Mithelfer Mohammad Rezai, der vor sechs Jahren aus seiner Heimat Afghanistan nach Deutschland gekommen ist. Plaß freut sich noch heute über die besondere Freundschaft. „Ich telefoniere regelmäßig mit ihm. So ein Erlebnis schweißt schon zusammen.“

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Heiner Elsen Friesoythe / Redaktion Münsterland
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