Oldenburg Die Entwicklung des Hörens bei Kindern wirkt sich entscheidend auf sprachliche, soziale und emotionale Entwicklungsprozesse aus. Bisher wird das Hören bei Kindern bis zum Schuleintritt nur an zwei Zeitpunkten untersucht: Zwei Tage nach der Geburt und im Vorschulalter.

Das reicht nicht aus, finden Prof. Dr. med. Karsten Plotz und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Katharina Schmidt von der Jade Hochschule. Zudem seien die gängigen Methoden nicht geeignet, um die alterstypischen Hörprobleme zu erkennen. In dem neuen Forschungsprojekt „Perzeption und Lokalisation binauraler Information bei Kindern (PLOBI2go)“ entwickeln die Wissenschaftler jetzt ein mobiles System, um das Hörvermögen von Kindern verlässlich, kindgerecht und unter alltagsnahen Bedingungen zu überprüfen. Das System soll auch in Kindergärten oder Gesundheitsämtern einsetzbar, leicht zu handhaben und zu transportieren sowie robust sein.

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Erkältungsbedingte Mittelohrprobleme („Paukenergüsse“) treten bei etwa 80 Prozent der kleinen Kinder auf. „Ein Paukenerguss tut nicht weh, daher sagen Kinder manchmal nichts und die Hörstörung bleibt unerkannt. Und das, obwohl ein Hörverlust von 20 bis 30 Dezibel damit einhergeht – so als würde man sich die Ohren zuhalten“, erklärt Karsten Plotz, der auch als Facharzt für Pädaudiologie tätig ist. Wenn diese Hörstörungen über eine längere Zeit oder wiederholt auftreten, können sie Auswirkungen auf die Hörentwicklung haben. „Zehn bis zwanzig Prozent der Kinder weisen bei der Einschulung eine chronische Mittelohr-Schwerhörigkeit auf“, berichtet der Wissenschaftler. Derartige Hörprobleme könnten massive Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, den Lese- und Schriftspracherwerb und das Verhalten haben und so zu Schulproblemen oder -ängsten führen.

Das Screening bei der Vorsorgeuntersuchung U8 ermittelt die Hörschwelle – also diejenige Lautstärke, ab der ein Kind ein sehr leises Geräusch gerade wahrnehmen kann. Aus Sicht der Wissenschaftler wäre es ergänzend jedoch besonders wichtig, die Reife des beidohrigen (binauralen) Hörens zu überprüfen. Denn dieses ist entscheidend, um in einer geräuschvollen Umgebung einem Gespräch folgen zu können und die Richtung zu erkennen, aus der ein Ton kommt.

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