Oldenburg „Die bestehende Entwässerungsinfrastruktur an der ostfriesischen Küste wird zukünftig nicht mehr ausreichen. Vor dem Hintergrund des globalen Wandels steht die Binnenentwässerung vor einer immensen Herausforderung“, sagt Projektleiter Dr. Helge Bormann von der Jade Hochschule.

Mehr Niederschläge

Diese Aussage beruht auf den Ergebnissen des Forschungsprojektes „Klimaoptimiertes Entwässerungsmanagement im Verbandsgebiet Emden“ (KLEVER). Darin haben Wissenschaftler der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg untersucht, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Wasserhaushalt an der ostfriesischen norddeutschen Küste hat und welche alternativen Lösungen für die Entwässerung möglich wären.

Basierend auf Klimamodellen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung berechneten Bormann und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Jenny Kebschull mögliche Veränderungen des Wasserhaushalts. Einflüsse, die sich in Zukunft auf das Entwässerungssystem in der Region auswirken, sind die höheren Winterniederschläge, die Versiegelung von Grünflächen und der Anstieg des Meeresspiegels.

So zeigen die Simulationsergebnisse, dass vor allem in den Monaten Dezember, Januar und Februar die Niederschlagsmenge stark ansteigen wird. Allein dadurch könnte das Wasservolumen, das ins Meer gepumpt oder gesielt werden muss, bis Ende des Jahrhunderts um 25 Prozent steigen.

Sielen seltener möglich

Gleichzeitig wird das Sielen aufgrund des steigenden Meeresspiegels immer seltener möglich sein. „Bisher werden die Siele bei Ebbe geöffnet, so dass das Wasser ohne den kostenintensiven Betrieb der Pumpen abfließen kann“, erklärt Kebschull. „Wenn der Meeresspiegel wie in den Klimaszenarien beschrieben ansteigt, wird der Wasserstand zur Ebbe seltener niedrig genug sein um die Siele zu benutzen.“ In dem Fall ist der Entwässerungsverband auf seine Pumpen angewiesen. „Der Energieaufwand hierfür ist enorm.“

Wie die bestehende Entwässerungsinfrastruktur für die Zukunft fit gemacht werden kann, haben die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem Ersten Entwässerungsverband Emden (I.EVE) und weiteren Kooperationspartnern erarbeitet.

Zu ihren Vorschlägen gehören vor allem technische Maßnahmen wie die Erweiterung der Pumpkapazitäten der Schöpfwerke. Auch die Speicherkapazitäten in bestehenden Gewässern auszubauen, wäre denkbar. Zudem könnten zusätzliche Retentionsräume geschaffen werden, also freie Flächen neben Bächen, Kanälen und Flüssen, auf denen sich bei Hochwasser das Wasser ausbreiten und ansammeln kann.

Risiko senken

„Bei vollständiger Umsetzung aller vorgeschlagenen Maßnahmen könnte das Hochwasserrisiko bis Ende des Jahrhunderts deutlich gesenkt werden.“, sagt Bormann. Ein Restrisiko werde aber bestehen bleiben. Für den Umgang damit müssten zukünftig geeignete Risikomanagementkonzepte entwickelt werden.

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