Oldenburg Den nächsten Karriereschritt möglich machen, den eigenen Horizont erweitern, beruflich einen neuen Weg einschlagen – Gründe für ein Studium nach mehreren Jahren im Beruf gibt es viele. Ein Knackpunkt dabei ist jedoch die Finanzierung. Zumal es beim Bafög Altersgrenzen gibt. Nur wer noch nicht 30 Jahre alt ist, wenn er ein Bachelorstudium beginnt beziehungsweise noch nicht 35 Jahre beim Start eines Masterstudiums hat den vollen Anspruch auf Ausbildungsförderung.

Kindererziehung

„Es gibt aber verschiedene Ausnahmeregelungen. Zum Beispiel spielt das Alter von Studienanfängern keine Rolle, wenn sie über ihre berufliche Qualifikation zum Studium zugelassen werden. Das gilt etwa für Studieninteressierte, die über einen Meister oder eine Ausbildung plus mehrjährige Berufstätigkeit hochschulzugangsberechtigt sind“, erläutert Jens Müller-Sigl vom Studentenwerk Oldenburg. Er berät Studierende der Uni Oldenburg, der Jade Hochschule und der Hochschule Emden/Leer zum Thema Studienfinanzierung.

Zudem verschiebt die Erziehung von Kindern die Altersgrenze um bisher zehn und ab dem Wintersemester um 14 Jahre nach hinten. „Hat also eine Frau mit Hochschulzugangsberechtigung beispielsweise mit 29 Jahren ein Kind bekommen, ist sie künftig auch dann noch grundsätzlich Bafög-berechtigt, wenn sie mit 43 Jahren ein Bachelorstudium beginnt“, sagt Müller-Sigl.

Definitiv keine Altersgrenze gibt es beim Aufstiegsstipendium, das von der Stiftung Begabtenförderung für berufliche Bildung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vergeben wird. Voraussetzungen für eine Förderung sind hier eine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens zwei Jahre Berufserfahrung sowie der Nachweis besonderer Leistungen. „Das kann zum Beispiel die Note für den Berufsabschluss sein, aber auch vordere Platzierungen bei Wettbewerben oder dass der Arbeitgeber jemand aufgrund seiner Leistungen im Beruf für das Stipendium vorschlägt“, führt Müller-Sigl aus.

Sicher spielt die Note bei praktisch allen Stipendien eine Rolle, aber es werden keinesfalls nur Überflieger gefördert. Soziales Engagement, etwa in einer Gewerkschaft oder der Kirche, ist ebenfalls entscheidend. „Ich kenne einen Stipendiaten der Hans Böckler-Stiftung mit einer Abi-Note von 2,5. Dieser hat sich allerdings schon jahrelang gesellschaftlich engagiert“, erzählt Müller-Sigl.

Bafög elternunabhängig

„Bei Stipendien gehen viele davon aus, dass sie unabhängig vom Einkommen der Eltern vergeben werden. Das trifft aber nur für das so genannte Büchergeld in Höhe von 300 Euro im Monat zu. Bei Vollstipendien wird das Einkommen der Eltern berücksichtigt, so lange diese unterhaltspflichtig sind“, stellt der Berater richtig.

Wie lange sind Eltern denn unterhaltspflichtig? Beziehungsweise ab wann werden Förderungen elternunabhängig vergeben? „Die Richtlinien fürs Bafög orientieren sich am Unterhaltsrecht. Unabhängig vom Einkommen der Eltern ist es, wenn der Antragsteller inklusive Ausbildung mindestens 72 Monate erwerbstätig war oder älter als 30 Jahre ist“, so Müller-Sigl. Bei der Dauer der Erwerbstätigkeit könnten auch Kindererziehungszeiten oder Arbeitslosengeldbezug geltend gemacht werden.

Dagegen sind die Eltern wahrscheinlich unterhaltspflichtig, wenn das Studium in einem sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der Ausbildung steht. „Macht die Tochter oder der Sohn beispielsweise zuerst eine Ausbildung in der Bank, arbeitet im Anschluss noch kurzzeitig im erlernten Beruf und entschließt sich dann noch zu einem Betriebswirtschaft-Studium, sind die Eltern höchstwahrscheinlich noch unterhaltspflichtig“, sagt Müller-Sigl. „Klar ist bei so vielen Ausnahmen vor allem eines: Eine persönliche Beratung ist enorm wichtig.“

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