Anrechnung
Berufliche Kompetenz verkürzt Studium

Auch informelles Wissen ohne Zertifikat kann angerechnet werden. Dies wird in einem Portfolio belegt.

Bild: Universität Oldenburg
Screenshot aus dem neuen Video des PLAR-Service über Anrechnungsmöglichkeiten.Bild: Universität Oldenburg
Keine Freiartikel mehr in diesem Monat.

Bereits NWZ-Abonnent?

Jetzt anmelden

Noch nicht registriert?

Als Abonnent der Nordwest-Zeitung und des NWZ-ePapers haben Sie den vollen Zugriff nach einmaliger Freischaltung bereits inklusive!

Zugang freischalten

Noch nicht registriert?

Als Abonnent der Nordwest-Zeitung und des NWZ-ePapers haben Sie den vollen Zugriff nach einmaliger Freischaltung bereits inklusive!

Zugang freischalten

Oldenburg Wer in sozialtherapeutischen Berufen tätig ist und ein Lehramtsstudium Sonderpädagogik anstrebt, kann sich Kompetenzen aus der Berufstätigkeit für ein Studium anrechnen lassen. Das gleiche gilt für Studierende, die in ihrer beruflichen Laufbahn schon verantwortlich in Projekten gearbeitet haben. Dies kann etwa auf Veranstaltungen in fachübergreifenden Studienabschnitten angerechnet werden.

Was können Studierende konkret anrechnen lassen?

Der PLAR-Service der Universität Oldenburg hilft seit Januar vergangenen Jahres jedem Studierenden individuell diese Frage zu beantworten. PLAR steht für Prior Learning Assessment and Recognition. „Das Angebot wird sehr gut angenommen. Die Zahl der Studierenden, bei denen Kompetenzen, die sie außerhalb der Hochschule erworben haben, angerechnet wurden, hat sich seit dem Start etwa versechsfacht“, sagt Projektkoordinatorin Dr. Christiane Brokmann-Nooren vom C3L – Center für lebenslanges Lernen der Uni.

„Ganz neu ist seitdem die Anrechnung von informellen Qualifikationen“, ergänzt Antje Beckmann vom Akademischen Prüfungsamt. Das sind Fähigkeiten, die sich ein Studierender etwa bei der Berufsausübung angeeignet hat, über die aber keine Zeugnisse oder Zertifikate vorliegen. „Dass ein Erzieher, der Pädagogik studiert, kein Praktikum mehr machen muss, war schon vorher gängige Praxis. Dass aber noch weitere Kompetenzen, die er im Laufe seiner Berufstätigkeit erworben hat, angerechnet werden können, ist erst üblich geworden seit es den PLAR-Service gibt.“

Wie läuft das Verfahren?

Zuerst bespricht der Studierende mit Antje Beckmann und Anja Eilers-Schoof vom Kompetenzbereich Anrechnung welche Qualifikationen er mitbringt und inwieweit diese eventuell angerechnet werden können. „Handelt es sich um einfache Fälle, wie etwa den Wegfall eines Praktikums aufgrund einer Ausbildung, entscheidet das Prüfungsamt direkt“, erläutert Dr. Wolfgang Müskens vom Kompetenzbereich Anrechnung. „Geht es um informelle Kompetenzen, erstellen die Studierenden mit Hilfe der Beraterinnen ein Portfolio. Das kann ziemlich umfangreich werden und ganz unterschiedlich aussehen. Ein Studierender hatte etwa schon vor dem Studium ein Unternehmen gegründet. Er belegte dies mit dem gesamten dazugehörigen Schriftwechsel und der Urkunde. Ein anderer hatte eine Musik-CD produziert, die er dem Portfolio beilegte.“

Fachvertreter in den jeweiligen Fakultäten prüfen anhand des Portfolios, ob die vorhandenen Kompetenzen mit denen übereinstimmen, die in den jeweiligen Modulen vermittelt werden. Ist dies der Fall erteilt das Prüfungsamt einen Bescheid, dass eines oder mehrere Module angerechnet werden, was wiederum die Studienzeit verkürzen kann.

Wie gehen Studierende mit dem Angebot um??

Kritiker des bundesweit in dieser Form einmaligen Angebots führten an, dass Studierende sich Anerkennungen erschleichen könnten. „Solche Versuche sind bisher nicht vorgekommen. Die Studierenden gehen sehr verantwortungsvoll mit dem Angebot um“, berichtet Brokmann-Nooren. „Manche lassen sich Kompetenzen anerkennen und gehen dann trotzdem in die Veranstaltung. So frischen sie ihr eigenes Wissen auf, haben aber in der Klausurenphase etwas weniger Stress“, ergänzt Beckmann.

Was ist für die Zukunft geplant??

Das Projekt, in dessen Rahmen der PLAR-Service gestartet ist, geht bald zu Ende. „Der Service wird aber von der Uni weitergeführt“, sagt Müskens. „Außerdem sind wir dabei einen neuen Projektantrag zu schreiben.“ So soll das Portfolio langfristig digitalisiert werden. Auch Webinare oder ein Film darüber wie das Anrechnungsportfolio zusammengestellt wird sind geplant. „Außerdem wollen wir den Service noch bekannter machen“, führt Müskens aus. „So denken bisher beispielsweise kaum Theologie-Studierende daran, sich eine vorherige Tätigkeit als Diakon anrechnen zu lassen.“

Das könnte Sie auch interessieren