Oldenburg /Wilhelmshaven „Geh studieren!“, riet ihr Handchirurg Sara Paßquali. Als Schaustellerkind war sie die erste aus einer großen Familie, die eine Ausbildung zur Friseurin machte. Doch ihr Handchirurg prognostizierte, dass ihre Hände diesen Beruf nicht lange mitmachen werden. So holte Sara Paßquali das Abi nach und schrieb sich an der Uni für Sozialwissenschaften und Philosophie ein. „Meine Familie hat das, was ich tue, nicht wirklich verstanden – hier zählt das Handwerk nun mal seit Generationen mehr als das Buch“, sagt sie.

Doch sie macht ihren Fachmaster in Philosophie und arbeitet seitdem als Diversity Management Trainerin. Ganz wichtig: „Es gab immer Menschen, die an mich geglaubt haben. Das hat mich vorangetrieben. Auch wenn ich mehr kämpfen musste als andere: Alles ist möglich, wenn man will.“

Dass die Unterstützung durch die Familie, Freunde, Lehrer, Dozenten oder andere sehr wertvoll ist, wenn man als erster aus der Familie studiert, sagen auch viele andere Studienpioniere, deren Kurzporträts jetzt in der Broschüre „Nur Mut!“ erschienen sind. Auch Ingrida Budininkaite und Stefanie Ruetz von der Jade-Hochschule bestätigen dies. Sie sind beide Erstakademikerinnen und haben die Broschüre konzipiert. Sie möchte Studieninteressierte ermutigen, ihren Weg zu gehen, auch wenn ihre Pläne auf wenig Verständnis in der Familie treffen sollten. Denn in Deutschland ist es nach wie vor so, dass es an Hochschulen weniger Studienpioniere gibt als Kinder von Akademikern.

Man sollte den Ausbildungsweg wählen, der einem Spaß macht und Zufriedenheit gibt, findet Dr. Helmut Uerlich, Landwirtssohn und seit 27 Jahren Zahnarzt mit eigener Praxis in der Wesermarsch. Das hat Bianca Frömming getan: „Ich habe genau das gemacht, was mir Spaß gemacht hat!“ Obwohl es viele nicht glauben konnten, ist sie Kapitänin geworden.

Wie viele andere der Porträtierten hat sie ihr Studium mit Bafög und Nebenjobs finanziert. Manchmal ist weitere finanzielle Unterstützung während der Ausbildungszeit nötig, etwa durch die Familie. „Die war bei mir ausschlaggebend für das weitere berufliche Leben. Soviel Mut, das anzunehmen, sollte man aufbringen“, findet Uerlich.

Einmal an der Hochschule angekommen, sollte man nicht versuchen, sich allein durchzuschlagen, rät Ugur Düman. Der Sohn türkischer Landarbeiter studiert Sport und Mathematik auf Lehramt, weil er unbedingt mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte. Anfangs hat er versucht, sich allein durchzubeißen, was ihm vor allem in Mathe schwerfiel. Später hat er Lerngruppen für sich entdeckt.

Ein längeres Studium ist laut Dr. Jürgen Petzold, Verwalter einer Professur an der Jade-Hochschule und selbstständig, kein Problem. Er rät Studierenden vielmehr, sich für nichts zu schade zu sein, viel auszuprobieren sowie Verantwortung zu übernehmen, etwa im AStA.

Auch Olaf Lies, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, ist überzeugt, dass „es definitiv kein Nachteil ist, wenn man den ein oder anderen Umweg geht“. Seine Vita spricht dafür: Nach der Ausbildung zum Funkelektroniker ist es schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Also studiert er Elektrotechnik, findet Arbeit, sogar in der Region, und geht dennoch vor 16 Jahren in die Politik. Denn „in diesem so vielschichtigen Bildungssystem in Deutschland gibt es für jeden einen Weg“, ist Paul Schneider, Energiemanagementbeauftragter EWE Gasspeicher sicher. „Gerade weil ich aus einer kleinen Diktatur – der DDR – komme, ist das unfassbar!“


Konkrete Fragen beantworten die Zentralen Studienberatungen der Hochschulen      www.jade-hs.de/zsb 
     www.uni-oldenburg.de/zsb 

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