BREMEN Neumeyer erhielt 62 Ja-Stimmen. Eckhoff bleibt der Bürgerschaft als Abgeordneter erhalten.

von thomas kuzaj BREMEN - Ungewohnte Bilder im Parlament: Auf der Zuschauertribüne des Plenarsaals saß Ronald-Mike Neumeyer. Auf der Regierungsbank war ein Platz frei. Weiter hinten, in der vierten Reihe der CDU-Fraktion, saß Jens Eckhoff. Eben noch Senator für Bau, Umwelt und Verkehr – und nun, nachdem er aus privaten Gründen zurücktrat, Bürgerschaftsabgeordneter. Und so konnte er schon mit abstimmen über den Mann, der den freien Platz auf der Regierungsbank übernehmen sollte: Ronald-Mike Neumeyer rückte von der Zuschauertribüne zurück in die Mitte des politischen Lebens.

Es war ein Comeback mit gutem Ergebnis: Der 44-Jährige bekam 62 von 79 abgegebenen Stimmen. 62 Ja-Stimmen: Das ist das beste Ergebnis aller CDU-Senatoren in dieser Legislaturperiode, wie Neumeyers Vorgänger Eckhoff später feststellte.

Vor der Wahl stand die Debatte. Eine Debatte, in der ungewöhnlich viele lobende Worte zu hören waren. „Jens Eckhoff hat sein Ressort gut geführt“, lobte CDU-Fraktionschef Hartmut Perschau, „engagiert und kraftvoll, mit einer großen Sachkenntnis.“ Matthias Güldner von den oppositionellen Grünen lobte: „Jens Eckhoff hatte sein Ressort gut im Griff, hat es sehr gut gemacht. Das konnte man allenthalben hören.“ Und SPD-Fraktionschef Carsten Sieling lobte, er habe Jens Eckhoff als „engagierten und kraftvollen Senator“ erlebt – „immer mit einem ausgeprägten Hang zum Risiko“.

Nun, Kritisches gab es auch. Die Grünen mutmaßten, dass Eckhoffs Rücktritt vielleicht nicht nur private Gründe habe – sondern auch damit zusammenhänge, dass dessen politische Ideen auf Widerstand gestoßen seien. Und: Die CDU habe offenbar „ein klein wenig Pech oder ein bisschen Unglück“ bei ihrer Personalpolitik, wenn man die recht häufigen Senatorenwechsel in ihren Reihen betrachte: „Elf Herren seit 1995: Nun ist ein Fußballteam komplett.“

SPD-Fraktionschef Carsten Sieling wandte sich auch an Neumeyer, der zuletzt für den Energieversorger swb gearbeitet hatte. Für den SPD-Politiker war allein das Anlass genug, Neumeyer schon vor dessen Wahl zu empfehlen, sich für eine am Allgemeinwohl orientierte Energiepolitik einzusetzen. Bevor er Manager bei swb wurde, war Neumeyer in der Politik. Von 1991 bis 2003 saß er in der Bürgerschaft, von 1995 bis 1999 war er CDU-Fraktionschef. Dann unterlag Neumeyer bei einer Kampfabstimmung seinem langjährigen Weggefährten Jens Eckhoff – ausgerechnet.

Eckhoff bleibt als Abgeordneter der Politik erhalten. Und er will in die Wirtschaft. Und? CDU-Fraktionschef Hartmut Perschau: „Jens Eckhoff war und ist immer für Überraschungen gut.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.