Bremen Die Statistiker wussten es im Laufe der Nacht, gegen 3 Uhr. Bettina Hornhues selbst hat es „am Morgen aus dem Radio erfahren“. Die 41-jährige Christdemokrat zieht als Abgeordnete in den Bundestag ein – damit sind in der nächsten Legislaturperiode sechs Bremer in Berlin vertreten.

„Fünf Sitze waren garantiert“, sagte am Montag Landeswahlleiter Jürgen Wayand bei der Analyse des Bremer Bundestagswahlergebnisses. Beim sechsten Sitz profitiert das kleinste Bundesland von der Neuregelung des Wahlgesetzes. Überhangmandate werden jetzt ausgeglichen – und mit so einem Ausgleichsmandat hat Hornhues das Ticket für Berlin gelöst.

So ist die Bremer CDU nach langer Zeit wieder mit zwei Abgeordneten im Bundestag dabei. Neben Hornhues sicherte sich Elisabeth Motschmann, wie erwartet, einen Platz in Berlin. Die Bremer Farben vertreten zudem die beiden Wahlkreissieger, Carsten Sieling und Uwe Beckmeyer von der SPD, sowie die Grüne Marieluise Beck und die Linke Agnes Alpers.

„Das Bremer Ergebnis liegt im Bundestrend“, so Wayand. Es verzeichnet jedoch leichte Ausschläge. So hat die SPD „über Schnitt“ um 5,4 Prozentpunkte zugelegt. „Das ist ein Wiederaufstieg nach dem Desaster von 2009“, sagt der Landeswahlleiter. Die Bremer Genossen fuhren mit 35,7 Prozent aber das zweitschlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit ein.

Die CDU steigerte ihr Ergebnis ebenfalls um 5,4 Prozentpunkte – und erzielte damit 29,3 Prozent der Zweitstimmen. Zuletzt hatten die Christdemokraten im Zwei-Städte-Staat 1994 ähnlich gut abgeschnitten. Allerdings: Im Ländervergleich schnitt die CDU nur in Berlin (28,5 Prozent) schlechter ab.

Herber Rückschlag

Die Bremer Grünen verloren 3,3 Prozentpunkte und landeten bei 12,1 Prozent. „Ein herber Rückschlag“, sagte Wayand. Die Linken „haben sich in Bremen etabliert“, fuhr er fort. Sie verloren 4,2 Prozentpunkte und sackten auf 10,1 Prozent. Wayand weiter: „Bremen bleibt die Hochburg der Linken in den alten Ländern.“

Für die FDP war die Wahl im kleinsten Bundesland „ein Desaster“. Mit einem Stimmanteil von 3,4 Prozent bei einem Verlust von 7,2 Prozentpunkten wurden die Liberalen auf das niedrigste Ergebnis in der Parteigeschichte zurückgeworfen. Es war zugleich das schlechteste Ergebnis in den alten Bundesländern.

Die Bremer Statistiker verzeichneten bei der Wahl zudem zwei Rekorde. Der Anteil der Briefwähler kletterte auf 21 Prozent. Und die Wahlbeteiligung fiel um 1,5 Prozentpunkte auf das „Allzeit-Tief“ von 68,8 Prozent. Bleibt ein Blick in die Stadtteile: „Es gibt einen markanten Zusammenhang zwischen Wahlbeteiligung und Sozialstruktur“, sagte Wayand. In Tenever ging nur noch jeder zweite Bürger an die Wahlurne. Auch in der Neue Vahr, im Ohlenhof-Viertel und in Gröpelingen lag die Wahlbeteiligung bei maximal 55 Prozent. Die höchsten Quoten wurden in den Ortsteilen Borgfeld (86,2 Prozent), Bürgerpark (84,4) und Schwachhausen (84,3) registriert.

SPD-Hochburg

Die SPD fuhr lediglich in Gröpelingen die absolute Mehrheit ein. Hier holte sie 52,5 Prozent der Stimmen. Die CDU festigte ihre Hochburg Oberneuland und gewann hier 50 Prozent der Stimmen. Die Grünen büßten im Steintor zwölf Prozent der Stimmen ein. Nur im Fesenfeld waren sie mit 28,9 Prozent die stärkste Partei. Die Linke bleibt im Steintor, Ostertor und Fesenfeld mit Werten von 16,5 bis 19,1 Prozent vor der CDU. In Oberneuland reichte es nur für 3,2 Prozent. Dort kratzte die FDP mit 9,8 Prozent der Stimmen an der Zehn-Prozent-Marke. Insgesamt übersprangen die Liberalen nur in zwölf Ortsteilen Bremens die Fünf-Prozent-Hürde.

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