Bremen Die meisten der Passanten, die an diesem Haus vorübergehen, dürften nichts davon ahnen – in der Nachkriegszeit sorgte das Bauwerk für etwas, das man aktuell „Skandal“ nennen würde. Ein Schuhgeschäft ist im Erdgeschoss des Hauses Sögestraße Nummer 54 zu finden – in einem Gebäude, das eigentlich für Kaffee steht. Die Aufschrift an der Fassade weist noch darauf hin: „Ronning-Haus“.

Carl Ronning, nach dem auch eine Straße benannt ist, die zur Rückseite des Hauses liegt und parallel zur Sögestraße verläuft, war Kaufmann und Kaffeeröster. 1863 in Bielefeld geboren, absolvierte er in Celle eine Lehre im Kaffeehandel, bevor er nach Hannover ging. Dort arbeitete Ronning in der Kolonialwaren-Großhandlung Grothe.

1892 kam er nach Bremen und arbeitete zunächst in der Firma von Roselius‘ Vater. 1894 machte Ronning sich selbstständig. Er importierte und röstete Kaffee. Sein Geschäft lag an der Sögestraße 54. Nach dem Tod von Carl Ronning übernahm dessen Sohn Otto das Unternehmen. Otto Ronning war am Ende auch der Bauherr, als in den Jahren 1949/50 auf dem Grundstück des kriegszerstörten Firmengebäudes ein neues Haus errichtet wurde: das – wenn man so will – Skandalgebäude.

Das Haus löste einen Konflikt aus, der als „Bremer Giebelstreit“ in die regionale Baugeschichte eingegangen ist. An dem Gebäude entzündete sich ein Disput darüber, wie der Neuaufbau der Innenstadt nach dem Krieg ausfallen sollte.

Für die weitgehend zerstörte Sögestraße galt ein Rahmenplan. Und nach diesem Plan sollte, so der Landeskonservator, „auf Giebelhäuser zugunsten von traufständigen Häusern mit ruhigen Dachflächen vollständig verzichtet werden“. Heimlich und entgegen der Genehmigung des Hauses entstand – durch die Bauplanen vor Blicken geschützt – das vom Bremer Architekten Heinz Logemann entworfene Haus mit seinem durchaus markanten Giebel, entworfen sozusagen nach guter alter hanseatischer Gestaltungstradition. Was für eine Überraschung, als die Plane verschwand!

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