Bremen Mit Fäusten, Holzlatten, Messern und einer Schusswaffe sollen sie auf ihre Opfer losgegangen sein, als es im März dieses Jahres zu einer Massenschlägerei im Krankenhaus Links der Weser (LdW) in Kattenturm kam. Seit gestern nun müssen sich vier Männer im Alter zwischen 26 und 36 Jahren vor dem Landgericht Bremen unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Es ist später Nachmittag am 23. März, als Haliel M. durch Bremen fährt. Er hat es scheinbar eilig, nötigt laut Oberstaatsanwalt Frank Passade mittels Lichthupe einen vor ihm fahrenden Autofahrer, beiseite zu fahren. Dann setzt er sich vor ihn, zwingt ihn zum Anhalten, schlägt dem Beifahrer ins Gesicht und bricht ihm so die Nase, heißt es in der Anklageschrift. Es ist der Beginn zu einer Auseinandersetzung, die wenige Stunden später im Krankenhaus endet – mit mehreren Verletzten und dem Sondereinsatzkommando. Denn laut Passade hätten Haliel M. und mindestens drei weitere Männer – die Angeklagten Sami M., Ali M. und Mohammed M. – zwischen 18 und 20 Uhr das LdW abermals aufgesucht. Dort angekommen, hätten die Männer „unter einem gemeinschaftlich gefassten Tatplan und mit Verletzungsabsicht“ auf Angehörige des Mannes eingeschlagen, der sich nach dem Nasenbeinbruch in die Notaufnahme des LdW begeben hatte. Mit Holzlatten, Messern und einer halbautomatischen Pistole sollen die Angeklagten Familienmitglieder des mutmaßlichen Opfers attackiert haben, so der Staatsanwalt. Insgesamt sollen sich etwa 30 Personen an der Schlägerei beteiligt haben.

Einer der Angeklagten habe bei dem Angriff mit einem Stock, an dem eine Metallkugel befestigt gewesen sein soll, das Auge eines Mannes verletzt, ein anderer soll eine Pistole an den Kopf eines Beteiligten gehalten und durchgeladen haben. Am Tatort wurde später scharfe Munition gefunden. Alle vier Angeklagten sollen zu einer Bremer Großfamilie gehören, doch Vorsitzender Richter Jens Florstedt machte gestern klar, dass „nicht die Zugehörigkeit zu einer Familie ausschlaggebend ist, sondern die Schuld eines einzelnen Täters“. Gestern äußerte sich keiner der Angeklagten zu den Vorwürfen, was für das Gericht bedeuten könnte, mehr als 50 Zeugen zu hören – unter anderem Mitarbeiter des Klinikums.

Florstedt machte deutlich, dass dieser Fall eigentlich nicht vor dem Landgericht verhandelt werden müsste, dazu sei das zu erwartende Strafmaß „zu überschaubar“. Für Passade eine „unglückliche“ Formulierung, hätten doch drei der Angeklagten die Tat während einer laufenden Bewährung begangen. In Untersuchungshaft sitzt aktuell nur Ali M..

Bis zum nächsten Verhandlungstag am Mittwoch, 5. Oktober, muss das Gericht die Besetzung der Strafkammer überprüfen. Verteidiger Torben Müller monierte, dass mindestens ein Schöffe nicht rechtmäßig vom Gericht eingesetzt worden sei, was den ganzen Fall zum Kippen bringen könnte oder eine Neubesetzung der Kammer zur Folge hätte.

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