Bremen Mit neuem Album im Gepäck tourt Protestrocker Heinz Rudolf Kunze momentan durchs Land und machte am Sonnabend der Hansestadt Bremen seine Aufwartung. Vor ausverkaufter Kulisse gastierte der musikalische Klassensprecher der alternden Bildungsbürgerschicht im Kulturzentrum Schlachthof.

Das Publikum erlebte einen gewohnt wortgewaltigen und kritischen, aber nur verhalten zornigen HRK, so sein markantes Kürzel. Weniger intellektuelles Gesäusel – dafür Witz, Spielfreude und mehr Persönliches als Weltenschmerz. Der kopfgesteuerte Brandstifter ist milder und weiser geworden.

Die Mischung des Kunze-Repertoires grenzte sich klar ab zwischen Songs aus dem aktuellen Album „Stein vom Herzen“, das er nahezu lückenlos zu Gehör brachte, und den Klassikern einer bemerkenswerten, bereits über drei Jahrzehnte währenden Karriere.

Bereits im ersten Drittel eskalierte das Konzert zur Party. Eingeleitet mit der derzeit angesagten Single „Hallo Himmel“ wurde das Auditorium heftigst befeuert. Spätestens mit „Dein ist mein ganzes Herz“ und „Mit Leib und Seele“ ernteten HRK und seine Musiker stehende Ovationen und legten mit „Vertriebener“ und dem legendären „Balkonfrühstück“ noch kräftig nach. Getanzt wurde, gesungen und frenetisch gejubelt – bemerkenswert für ein gefühltes Ü-50-Event.

Natürlich ging es nicht völlig ohne bissige Kommentare zur Lage des Planeten ab. Nachdrücklich bekannte sich Kunze zu Edward Snowden und fragte nach der Position und der Stimme seiner Branchenkollegen zum NSA-Abhörskandal: „Wo bleibt der Protest von Dylan, den ,Eagles’, Springsteen oder Neil Young?“ Dem ließ er symbolhaft „Regen in Berlin“ folgen, die balladeske Hymne des 80er-Jahre-Protests.

„Verstärkung“ benennt Kunze seine vierköpfige Begleitband im Sinne einer kraftstrotzenden Energieinfusion. In der Tat liefern Alex Grube am Bass, Schlagzeuger Jens Carstens, Matthias Ulmer an den Keyboards und der herausragende Gitarrist Zoran Grujovski ein solides und voranpeitschendes Fundament.

Nach zwei Stunden sowie zwei Dutzend Songs versuchten Kunze und Verstärkung vergeblich, sich in die Garderobe zurückzuziehen. Fünf Zugaben presste ihnen das Publikum ab. Die Erlös des Konzertes kommt der diakonische Armen- und Wohnungslosenhilfe zugute.

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