BREMEN Nicht zufallsdeutsch, sondern freiwillig und motiviert, hat Don Osman nur einen Herzenswunsch – endlich Deutscher zu werden. Doch trotz des strahlenden Lächelns unter seinem dicken Schnauzbart stößt Osman überall auf Barrieren. „Ich werde Deutscher“, verkündet Osman frohen Mutes seiner Familie, die ihrerseits allerdings bei der großen Überraschung eher auf einen Lottogewinn spekulierte.

„Was ist denn daran besonders, die Straßen sind voll davon“, entgegnen die Kinder gelangweilt. Doch bei genauerer Betrachtung finden sie Gefallen an der neuen Pass-Identität.

Die Tochter könne ihren deutschen Freund mit nach Hause bringen, der dem Kommunismus verfallene Sohn sieht sich schon in einem Miniharem von Parallel-Freundinnen, und Ehefrau Eminanim frohlockt mit gemischter Sauna und Emanzipation.

Das ist Osman zwar alles ein bisschen viel, vermiest ihm aber nicht, in den Kampf mit Kollegen, Traditionen wie Weihnachten und deutschem Essen, Behörden und dem Einbürgerungstest zu treten. Denn auch wenn alle betonen, „Integration darf nicht nur in eine Richtung laufen“, sind sie doch auf ihre imaginären Grenzen bedacht – Kollege Hans aus Halle 4 ebenso wie die gelangweilte Beamtin auf dem Ausländeramt, die ihre Kunden für dumm erklärt und mit „Was Du wollen?“ begrüßt.

Der bekannte und bissige Bremer Satiriker Osman Engin hat die textliche Vorlage zum neuesten Publikumsstück im Packhaustheater geliefert. „Don Osman – Ein Pass und eine Seele“, das ist unterhaltsames Theater voller deutsch-türkischer Klischees auf beiden Seiten.

Anke Thiessen inszeniert die Geschichte um Integration in Deutschland als größtenteils flotte Szenencollage, bei der sowohl die Deutschen als auch die Türken mit ihren Eigenheiten ihr Fett wegbekommen. Da treffen spießige Deutsche auf fortschrittliche Türken, da gibt es Sprachbarrieren, wo eigentlich keine sind, da einen Sehnsüchte nach einem schönen Leben.

Vor allem Saher Khanaqa-Kükelhahn glänzt in der Rolle der resoluten Ehefrau Eminanim, die ihrem Osman (Boris Radivoj) schon mal sagen muss, wo‘s langgeht. Nomena Struß gibt in gewohnter Manier mal die strenge Beamtin, die piefige Nachbarin oder die schrullige Alte – mit ihrem pointierten Spiel gibt sie dem Ganzen immer wieder Würze.

Vom Publikum gab es reichlich Applaus für eine humorvolle Völkerverständigung. Die Satire ist bis 4. Oktober täglich (außer montags) um 20 Uhr im Packhaustheater zu erleben.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.