Bremen Noch immer keine Schwestern beim Brudermahl? Die Schaffermahlzeit steht unter Modernisierungsdruck, und der kommt auch aus der Politik. Am Freitag feiern 300 Teilnehmer in der Oberen Rathaushalle die 470. Schaffermahlzeit. Bremens Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe fordert die Organisatoren auf, endlich „den Anschluss ans 21. Jahrhundert“ zu vollziehen.

Die Bürgerschaft appellierte auf Antrag von SPD und Grüne im vergangenen Jahr an die Stiftung Haus Seefahrt, die das Brudermahl ausrichtet, Frauen zur Schaffermahlzeit zuzulassen. Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) hatte sich ebenfalls geäußert. Auf dem Marktplatz demonstrierten Frauen, während die Teilnehmer der 469. Schaffermahlzeit vom Haus Schütting ins Rathaus gingen.

Kritik gibt es auch vor dem 470. Brudermahl – erst recht, seit auf der Generalversammlung von Haus Seefahrt die Praxis, keine Frauen als Gäste einzuladen, immer noch nicht abgeschafft worden ist.

100 Kapitäne, 100 Kaufleute und 100 Gäste aus dem In- und Ausland sitzen dann im Rathaus beieinander. Dieses Mal sollen unter den Kapitänen auch zwei Kapitäninnen sein, die seemännische Mitglieder der Stiftung Haus Seefahrt sind. Aber Frauen unter den Gästen? Nach wie vor ausgeschlossen.

Fünf Stunden lang an einer engen Tafel sitzen, zwölf Reden hören, Gerichte wie Hühnersuppe, Stockfisch, Braunkohl, Kalbsbraten, Rigaer Butt und Käse essen – warum sollten Frauen dabei sein? Nun, Runden wie die Schaffermahlzeit gelten unter Führungskräften als Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Geschäftliches anzubahnen (durchaus auch zum Vorteil Bremens). Frauen davon auszuschließen, ist eine überholte Vorgehensweise, die sich zunehmend zum Nachteil Bremens auswirkt.

Auf den Appell der Parlamentarier nicht zu reagieren, sei „so dumm wie unverschämt“, sagt Hauffe, und weiter: „Es schadet Bremen und seinem Ruf.“

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