VON ELISABETH GNUSCHKE

Zwei weitere Themen zogen sich durchs vergangene Jahr: Die Diskussion um den Space Park und der Tod eines mutmaßlichen Drogendealers aus Sierra Leone. VON ELISABETH GNUSCHKE BREMEN - Der eine wollte gehen, der andere wurde gedrängt und zog schließlich die Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten: Das Jahr 2005 bescherte Bremen zwei Wechsel an der Regierungsspitze. Und so hat das Land jetzt mit Jens Böhrnsen (SPD) einen neuen Bürgermeister.

Bürgermeister und Wirtschaftssenator Peter Gloystein (CDU) leistete sich seinen „Knaller“ im Mai: Bei der Eröffnung des Weinfestes auf dem Marktplatz übergoss er einen Obdachlosen von der Bühne herab mit Sekt und sagte: „Hier hast Du auch was zu trinken.“ Pech für Ex-Banker Gloystein, dass zwei Fotografen diese erniedrigende Geste festhielten. Von allen Seiten hagelte Kritik auf den Senator herab, der das zunächst so gar nicht ganz verstand. Einen Tag später zog er dann Konsequenzen und legte sein Amt nieder. Schuld am Rücktritt, so sah der Senator und Bürgermeister es zumindest damals, war „die Macht der Bilder“ – nicht etwa sein Auftritt.

Nachfolger von Gloystein als Wirtschaftssenator wurde nur zwei Wochen später der bisherige CDU-Fraktionschef Jörg Kastendiek, Bürgermeister und Scherf-Stellvertreter Innensenator Thomas Röwekamp (CDU). In Kastendieks Fußstapfen trat mit Hartmut Perschau ein „alter Hase“. Er hatte sich im Sommer 2004 aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen.

Für die SPD kam der „Hammer“ Ende September. In den Vorjahren mehrfach angedeutet, aber dann doch nicht vollendet, war Scherfs Abgang zu dem Zeitpunkt eine Riesenüberraschung. „Ich möchte nicht mit den Füßen zuerst aus dem Rathaus getragen werden“, sagte der 67-Jährige „Motor der großen Koalition“, der zehn Jahre Regierungschef war und 27 Jahre im Senat saß. Er möchte ein Leben nach der Politik führen, möchte reisen, Kammermusik machen, Orgel spielen lernen, malen, verkündete er entspannt.

Um die Nachfolge bewarben sich SPD-Fraktionschef Jens Böhrnsen und Bildungssenator Willi Lemke. Böhrnsen punktete auf Kosten der CDU, setzte sich bei der Mitgliederbefragung mit 1924 zu 721 Stimmen durch. Im Sauseschritt bekam Bremen im November einen neuen Bürgermeister. Mit Scherf nahm übrigens auch dessen langjähriger Weggefährte und „heimliche Chef“ Reinhard Hoffmann aus der Senatskanzlei seinen Hut. Böhrnsen hat nun mit einem Schuldenberg von fast 13 Milliarden Euro zu kämpfen. Freuen kann er sich hingegen vor allem über die boomenden Häfen.

2005 – das waren auch viele Diskussionen um den leerstehenden Space Park. Und dann bekam die Immobilie doch noch einen neuen Besitzer. Eigentümer Dresdner Bank verkaufte – man munkelt für 50 Millionen Euro – an Triple 5. Die Spezialisten aus Kanada planen ein Rieseneinkaufsparadies und eventuell auch ein Klein-Las-Vegas, also ein Spielerparadies. Dazu fehlt bisher die Lizenz. Die hat das Casino, das gerade für zweieinhalb Millionen Euro renoviert.

Ein anderes Thema zog sich durchs Jahr: Der Tod eines mutmaßlichen Drogendealers aus Sierra Leone nach der Brechmittelvergabe. Herzkrank, Ertrinken, Kollaps – das war die Frage. Innensenator Röwekamp überstand ein Misstrauensvotum, Gutachter waren sich bei der Todesursache uneins. Schließlich hieß es Ende November doch, der 35-Jährige sei ertrunken. Die Schuldfrage ist noch ungeklärt. Inzwischen gibt es eine spezielle Drogen-Toilette im Gefängnis. Drogenkügelchen, die bei Polizeikontrollen verschluckt werden, kommen hier auf natürlichem Wege zum Vorschein.

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