BREMEN Die Würfel sind gefallen. Es war ein klares Wahlergebnis – mit vier Siegern und einem großen Verlierer. Die Wahlanalyse wartet womöglich deshalb mit „vielen Extremwerten“ auf, sagte gestern der Bremer Landeswahlleiter Jürgen Wayand. Das kleinste Bundesland ist übrigens ab sofort mit sechs Abgeordneten in Berlin vertreten.

20 Prozent Briefwähler

Der erste „Extremwert“, den Wayand skizzierte, macht vor allem den Statistikern zu schaffen: Der Anteil der Briefwähler lag in Bremen bei 20 Prozent. „Das stellt uns vor große logistische Probleme“, sagte der Landeswahlleiter.

Ganz andere Probleme hat die SPD. Ihr laufen die Wähler weg. Sogar in der Hochburg Bremen. Mit einem Zweitstimmenanteil von 30,3 Prozent fuhr die alte Arbeiterpartei das schlechteste Ergebnisse aller Zeiten bei Bundestagswahlen ein. Sie stürzte dabei um 12,6 Prozentpunkte ab, so tief wie nie zuvor. Trotzdem bleibt Bremen das einzige Land, in dem die SPD noch die meisten Zweitstimmen holte.

Für die Kandidaten der Bremer SPD, Carsten Sieling und Uwe Beckmeyer, reichte es in den beiden Bremer Wahlkreisen jeweils fürs Direktmandat. Aber die Luft wird dünner. Sieling holte nur noch fünf Prozent mehr Erststimmen als CDU-Konkurrentin Rita Mohr-Lüllmann. „Das wird langsam eng“, kommentierte Wayand. Vor vier Jahren lag der Abstand zwischen den Direktkandidaten noch bei 20 Prozentpunkten.

Die CDU hat mit einem Stimmanteil von 23,9 Prozent den Abwärtstrend gestoppt und erstmals seit 15 Jahren wieder zugelegt – um 1,2 Prozentpunkte. Über die Landesliste wurde Kulturstaatsminister Bernd Neumann erneut in den Bundestag gewählt.

Die Grünen haben auf hohem Niveau zugelegt. Die Partei erzielte mit 15,4 Prozent der Stimmen ein Plus von 1,1 Prozentpunkten und laut Wayand „das beste Ergebnis seit Beginn ihrer parlamentarischen Existenz“. Die Grünen schicken Marieluise Beck nach Berlin. Der „strahlende Sieger“ FDP erreichte mit 10,6 Prozent (plus 2,5 Prozentpunkte) erstmals seit 1990 wieder ein zweistelliges Ergebnis. Über die Landesliste schaffte Spitzenkandidat Torsten Staffeldt den Einzug in den Bundestag, wo die Bremer FDP nach 15 Jahren Abstinenz wieder vertreten ist.

Die Linke nähert sich den Grünen. Mit 14,2 Prozent (plus 5,8) erzielte die Partei in der Hansestadt das beste Ergebnis in den alten Ländern. In den Bundestag gewählt wurde über die Landesliste Agnes Alpers.

Wahlbeteiligung gesunken

Groß war wieder der Anteil der Nichtwähler mit 29,9 Prozent. Die Wahlbeteiligung sank an der Weser auf 70,1 Prozent.

Was fällt noch auf? Die SPD erreichte in keinem Ortsteil ein Ergebnis jenseits der 40 Prozent. Die höchsten Anteile fuhr sie in Grohn (39,9 Prozent) und Oslebshausen (39,1) ein. Die CDU bleibt in Oberneuland (41,5) und Horn (37,5) die Nummer eins, die Grünen sind es im Steintor (35,8), im Fesenfeld (35,4), im Ostertor (32,6), im Peterswerder (31,0) und in der Neustadt (29,4). Die Linken haben neben dem Steintor (21,3) die „klassischen proletarischen Gebiete“ in Walle und Gröpelingen (über 20 Prozent) erobert, sagte Stadtwahlleiter Karl-Heinz Schlichting.

www.landeswahlleiter.

bremen.de

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.