BREMEN Bei „Wissen um 11“ im Bremer Haus der Wissenschaft geht‘s meistens richtig zur Sache: Nanotechnologie, Südsee-Linguistik und unbrennbare Stoffe des Mittelalters standen schon auf dem Programm der beliebten Schlaumeier-Matinee.

Am Sonnabend ging es um ein Alltagsphänomen, das alle lieben und jeder im Haus hat. „Kaffee in Bremen“ hieß die Veranstaltung, die auf reichlich Interesse stieß. Für Freude sorgte nicht nur das Sujet selbst, sondern auch die Dozentin.

Es sprach ein großer Bremer Kaffee-Name: Dr. Ilse Münchhausen-Prüße, Tochter des hanseatischen Traditionsrösters und heute Geschäftsführerin des wieder erstarkenden Kleinbetriebes am Geeren. Sie referierte rund um die Kaffeekirsche und das, was aus ihr werden kann.

„Es freut mich sehr, wie angesagt das Thema Kaffee heute wieder ist“, begrüßte Münchhausen-Prüße die Gäste. Das sei nicht immer so gewesen. Die Rückbesinnung vieler Genießer auf Qualität, Herkunft und Verarbeitung des Kaffees half der Firma Münchhausen wieder auf die Beine. Anhand ihrer Familiengeschichte skizzierte Ilse Münchhausen-Prüße Wohl und Wehe des Kaffees – zumindest seit 1938, als ihr Vater am Geeren seine Rösterei eröffnete. Zuvor waren es andere gewesen, die das Kaffeegeschäft in der Hansestadt prägten.

Ein Holländer hatte im 17. Jahrhundert das erste Kaffeehaus im Schütting eröffnet – das erste im deutschsprachigen Raum, selbst die Wiener waren später dran. Die Genehmigung zum Ausschank „indianischer Getränke“ wie Kaffee oder Schokolade wurde seinerzeit nur für jeweils drei Monate erteilt, „aber vom Senat nie widerrufen. Wir dürfen ja bis heute Kaffee trinken“, sagte Ilse Münchhausen-Prüße schmunzelnd. Anfang des 20. Jahrhunderts dominierten die großen Kaffee-Namen die Stadt und damit den Kaffeevertrieb ganz Deutschlands: Jacobs, Roselius (Kaffee HAG) und Ronning hatten regelrechte Kaffee-Imperien errichtet. Doch es gab viel mehr – bis zu 280 Röstereien waren in Bremen zeitweise tätig. Ihre große Zeit, so war zu lernen, kam nach dem Zweiten Weltkrieg, als nach Zeiten des Ersatzkaffees („Damals nannten die Leute unsere Produkte Münchhausens Lügen-Kaffee“) wieder echte Bohnen nach Deutschland kamen. Zwar machte allein die Steuer auf ein Kilo Kaffee einen Tageslohn aus, „doch die

Leute waren bereit, das zu bezahlen“.

Der ruinöse Preiskampf der Röstereien begann, als diese Steuer drastisch gesenkt wurde. Übrig geblieben ist neben den Industrie-Röstereien vom Kaliber Jacobs‘ oder Melittas nur Münchhausen. Dort wird bis heute auf kleineren Maschinen geröstet, bei denen man sehen kann, was mit dem Kaffee passiert.

Im Kleinen zeigte die heutige Münchhausen-Chefin und studierte Mathematikerin das auch im Haus der Wissenschaft. Mit einem antiken Heim-Kaffeeröster und einem großen Kühlsieb demonstrierte sie, wie man aus hellgrünen Bohnen schwarze macht.

Damit wurde dieses „Wissen um 11“ nicht nur zu einer der interessantesten Folgen der Reihe, sondern auch zu der am besten duftenden.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.