BREMEN Museum und Theater gehen Hand in Hand. Für seine neue Dauerausstellung „Erleben, was die Welt bewegt“ bietet das Übersee-Museum etwas Ungewöhnliches an – szenische Führungen mit Schauspielern.

Die Premiere ist beim „Tag der offenen Tür“ am Sonnabend, 13. November. Die theatral anmutenden Rundgänge beginnen dann um 13.30 Uhr und um 14.30 Uhr. Anschließend wird es sie an Dienstagabenden geben, zudem können sie für Gruppen gebucht werden.

Die Idee, Schauspieler Rundgänge machen zu lassen, die mit dem Thema einer Ausstellung korrespondieren und diese zugleich um eine Dimension ergänzen, wirkt neu. Das passt zu der Dauerausstellungen, für die das Museum ja auch neue Darstellungsformen gefunden hat. „Erleben, was die Welt bewegt“ konfrontiert die Museumsbesucher mit der Gegenwart. Kontinentübergreifend werden globale Fragestellungen behandelt – aufgeteilt in sieben Themenbereiche, die, so Museumsdirektorin Professorin Wiebke Ahrndt, „in den vergangenen Jahren eine neue Qualität gewonnen haben“. Es handelt sich um: Klimawandel, Kommunikation, „Sex & Gender“, Zeit, Menschenrechte, Migration und Weltwirtschaft.

Eine Schauspielerin und ein Schauspieler sind es, die sich mit all dem auseinandergesetzt und daraus ihre spielerischen Führungen entwickelt haben, die nach guter Sitte des einst so genannten Alternativtheaters auch das Publikum mit einbeziehen. Barbara Weller, die an der Bremer Universität Improvisation, Dramaturgie und Inszenierung unterrichtet, tritt als engagierte Führerin auf, die ihr Publikum durch das „Dickicht der Globalisierung“ leiten möchte. Frank Auerbach, sonst unter anderem bei der Bremer Shakespeare-Company, kommt als „Pozzo“ aus Samuel Becketts „Warten auf Godot“ ins Übersee-Museum.

Weller inszeniert sich als Multitaskerin, die selbst den Gang von einer Ausstellungsabteilung zur nächsten noch mit vermeintlich sinnvollen Beschäftigungen zu füllen versteht: „Soviel wie möglich zur gleichen Zeit machen, das ist jetzt angesagt!“ Einen Kontrapunkt setzt sie durch ihre ständig wiederkehrende Betrachtung des Inselvolks der Nauruer. Dann fotografiert sie ihre Gäste vor den Menschenrechten: „Stellen Sie sich vor Ihr Lieblingsmenschenrecht!“

Auerbach gibt den stimmgewaltigen Alleswisser, der zu allem und jedem etwas zu sagen hat – oder wenigstens eine Meinung, die er auch nicht für sich behält: „Was Hochwasser bedeutet, wissen wir noch alle von der Sintflut her.“ Sein „Pozzo“ wirft Fragen auf. „Wer bin ich, wo gehe ich hin, wo komme ich her?“ Und „Pozzo“ zitiert gern, etwa in der Abteilung „Sex & Gender“. Da heißt es schon mal mit Robert Gernhardt (1937 bis 2006): „Wir haben heut die Frau entdeckt, / und zwar als Sexualobjekt, / das war in Wanne-Eickel. / Wir faßten sie sofort ans Knie, / das, wie wir meinten, danach schrie, / dann freilich wurd‘ es heikel.“

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